200 Mio EUR für A7-Bypassbrücken, aber Fehlplanungen bei Radwegen

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Sicherheitsausbau und 10 Fahrstreifen für Autoverkehr, aber für RadfahrerInnen nur gefährlichen "Halbanschluss" und Planungsfehler bei Unterführungen. Die Linzer Verkehrsplanung hat leider wieder gepatzt.

200 Mio EUR für neue ​Voest-Bypassbrücken, doch Sicherheit der Radfahrer kommt unter die Räder

Der staugeplagte Großraum Linz ist aktuell der Hotspot für ASFINAG-Projekte der Superlative. Hier werden beim Bau neuer Autobahnen neue Maßstäbe gesetzt: ​Nach der fertiggestellten ​S10 mit luxuriösen 3-spurigen Autobahntunnels ​und dem Start der Westring-Donaubrücke mit in Fels gesprengten Tunnel-Auffahrtsrampen um 170 Millionen ​EURO steht nunmehr ​die Neuerrichtung der Linzer Voest-Bypassbrücken vor dem Abschluss.

Ein Projekt, ​das mit 200 Millionen EURO ​fast dreimal so teuer war wie ursprünglich angekündigt, und das den Radfahrenden seit über 2 Jahren haarsträubende und gefährliche Umwege und Einschränkungen durch oft mangelhafte Radwegumleitungen aufzwingt.

Für Radfahrende war die Hoffnung trotzdem groß, dass es mit den wegen der Bypassbrücken notwendigerweise neuerrichteten Radwegen und Rampen zu Verbesserungen auf dieser wichtigen Hauptradroute über die Donau kommen würde.

Großzügige Ausführung angekündigt - Minimalvariante mit 180 Grad-Kehre gebaut!

Aus den ursprünglich angekündigten getrennten Geh- und Radwegen über die Brücke mit großzügigen 4,5 Meter Breite wurde jedoch nichts. Umgesetzt wurde nun nur die minimale Empfehlung lt. RVS (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen): Nur gemischte Geh- und Radwege in 3 Meter Breite. Immerhin hat die ASFINAG zumindest auf der Donaubrücke das gebaut, was das Land OÖ 2017 bei der Sanierung der Steyregger Brücke trotz massiver Kritik der betroffenen Gemeinden nicht umsetzen wollte: Eine den gesetzlichen Mindestbestimmungen entsprechende Bauausführung.

Doch bei den Anschlüssen und Rampen wurde grob gepatzt: Auf der neu errichteten Radrampe auf Urfahraner Seite wurde eine extrem enge, 180-Grad-Wende eingebaut, wo noch dazu Absturzgefahr besteht. Nur Zirkusakrobaten könnten diese Richtung Urfahr West befahren, allerdings wird dann der Gegenverkehr und FußgängerInnen gefährdet. Also heißt es hier in Zukunft absteigen und das Rad um die Ecke heben.

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180°-Kehre (Radlobby OÖ)

Linzer Verkehrsplanung stimmte der Posse auch noch zu

Eine schriftliche Rückfrage an die Linzer Verkehrsplanung ergab, dass diese wirklich eine durchgehende Abfahrt für Radfahrende aus Linz Richtung Urfahr West nicht für notwendig erachte. Es wäre ja sowenig Platz dort! Nach der Posse letztes Jahr um die Nibelungenbrücke, als die Linzer Verkehrsplanung Radeln auf der Fahrbahn als „unmöglich, aber zumutbar“ beschrieben hatte, hat man 2020 nun nochmals nachgelegt.

Auch die ASFINAG begründete diese Bausünde, die allen Richtlinien und Mindeststandards einer modernen Radverkehrsplanung widerspricht, mit mangelnden Platz, da schon die Bypassbrücken so viel Platz benötigt hätten. Man wolle nun auf unseren Hinweis hin eine „Absturzsicherung“ errichten - womit der Zirkusvergleich wirklich zutreffend wird.

Radlobby fordert zusätzliche Radrampenausfahrt und Verbreiterung für sicheren Gegenverkehr

Die Radlobby kritisiert diesen kapitalen Planungsfehler mit eingebauter Absturzgefahr scharf als inakzeptable Gefährdung. Ein Lokalaugenschein hat ergeben, dass der benötigte Platz für sicheren Radverkehr natürlich schon vorhanden ist, wenn man ihn finden will. „Wir fordern an dieser Stelle umgehend eine Verbreiterung des Dammkronenweges bis zum Brückenpfeiler. Es muss eine halbwegs akzeptable und ungefährliche Abfahrtsmöglichkeit bzw. eine Rampenausfahrt in Richtung Urfahr Zentrum geschaffen werden.“

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Vorschläge zur Behebung (Radlobby OÖ)

Diese Gefahrenstelle darf nicht mindestens weitere 15 Monate bis zur Eröffnung der Neuen Donaubrücke bestehen, sie muss binnen Wochen entschärft werden.

„Es ist zutiefst schockierend und zeugt von fehlender Fachkompetenz für den Radverkehr, wenn es aus der Linzer Verkehrsplanung Stimmen gibt, die diese Notwendigkeit in Frage stellen! Dass die ASFINAG in ihrer Zuständigkeit für Autobahnen in Halbanschlüssen denkt, wäre ja noch einleuchtend, aber das Statement seitens der Stadt Linz ist eine ungeheuerliche Provokation für alle Radfahrenden!“ sagt Gerhard Fischer, Vorsitzender der Radlobby OÖ, der noch immer nicht glauben kann, was hier gebaut wurde.

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Vorschlag: Öffnung der Rampe Richtung Westen (Radlobby OÖ)

Weitere Fehlplanungen im Umfeld: Radfahrverbot in 2 wichtigen Unterführungen

Mit einem Lokalaugenschein hat die Radlobby Linz nun die gesamten weiteren Radweganbindungen und Bauaktivitäten rund um die Bypassbrücken unter die Lupe genommen. Dabei kam ans Tageslicht, dass zwei großteils neu errichtete Unterführungen, die direkt auf der Hauptradroute aus Urfahr zu den Donaubrücken liegen, völlig unverständlicherweise nicht für eine Radverkehrsbenützung geplant wurden. Die neu errichtete Unterführung am Ende der Prager Straße zur Broschgasse (unter der B127/Freistädter Straße) und die sanierte Urnenhain-Unterführung unter der B126 (Leonfeldner Straße) wären kreuzungsfreie Querungsmöglichkeit dieser hoch frequentierten Straßen.

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Unterführung Richtung Urnenhain - saniert, aber wieso nicht für Radverkehr adaptiert? (Radlobby OÖ)

Doch auch hier hat die Linzer Verkehrsplanung anscheinend entschieden: „Radverkehr, nein danke!“ Hier gibt's keine radgerechte Ausführung. Der politisch verantwortliche Infrastrukturstadtrat Vizebürgermeister Markus Hein war laut Rückmeldung nicht in diese Entscheidungen eingebunden, er hätte bei Projekten der ASFINAG auch nichts mitzureden.

Doch so einfach ist das auch nicht. „Das ist ungefähr so, wenn ich meine Gartenhütte jemandem vermiete und der reißt diese ohne mein Wissen ab, baut eine neue und sagt mir, das ginge mich alles nichts an!“ schüttelt Gerhard Fischer angesichts dieses Verantwortungspingpongs ungläubig den Kopf. „Es kann nicht sein, dass die Stadt Linz Planung und Bau wichtiger innerstädtischer Radwegverbindungen alleine der ASFINAG überlässt. Hier braucht es dringend Umplanungen und Verbesserungsmaßnahmen.“

Radverkehrs-Check hat versagt - Aufklärung gefordert

„Unsere Geduld ist am Ende. Wir können und werden hier nicht tatenlos zusehen, wenn in und um Linz von Politik und Verwaltung die Zukunft für den Radverkehr zubetoniert wird!“ sagt Gerhard Fischer und verweist auf ein großes Netzwerk von Initiativen, die genau so denken.

Die Radlobby fordert Bürgermeister Klaus Luger und den für Verkehrsplanung zuständigen Vizebürgermeister Markus Hein auf, offenzulegen, wer seitens der Stadt Linz konkret zu welchen Zeitpunkten, welche Entscheidungen getroffen hat. Wer war in die Planungen eingebunden und wer nicht? Wer hatte Zugang zu welchen Informationen?

Der eigentlich vorgeschriebene Radverkehrs-Check für alle Straßenbauvorhaben in Linz hat hier offensichtlich versagt. Auch das gilt es zu klären und die nötigen Konsequenzen in die Wege zu leiten.

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Unterführung Prager Straße - neu gebaut, wieso nicht für Radverkehr geplant? (Radlobby OÖ)

„Wir sehen hier die Hauptverantwortung bei der Stadt Linz aber auch beim Land OÖ. Sowohl Vizebürgermeister Hein als auch Landesrat Steinkellner vermitteln uns seit Jahren, dass Stadt Linz und Land OÖ erstmalig in der Geschichte gemeinsam an einem Strang ziehen würden, um die Linzer Staumisere zu lösen. Den Ausbau des Radverkehrs würden sie dabei als wesentlichen Teil der Lösung sehen.“ sagt Paul Weber von der Radlobby Linz.

Aber auch die ASFINAG kann man hier nicht aus der Verantwortung nehmen. Wir richten daher den dringenden Appell an Frau Bundesministerin Leonore Gewessler, sich dafür einzusetzen, künftig bei jedem ASFINAG-Projekt einen unabhängigen, extern beauftragten zwingenden „Sanfte Mobilitäts-Check“ durchzuführen.

Dann wäre hier bei den Linzer Bypassbrücken nicht dieser Lapsus passiert. Vermutlich wäre dann auch bei der Westringdonaubrücke nicht aus Kostengründen der Geh- und Radweg im letzten Moment eliminiert worden.

Linzer Radverkehrsplanung muss besser werden!

Enttäuschend ist, dass trotz Hinweisen der Radlobby seit Jahren an die Stadt Linz bzw. ASFINAG, sich doch abzustimmen, nun wieder derartige Planungsfehler passieren. Unmittelbar lässt dies nichts Gutes für die nächsten Fertigstellungen auf der Südseite der VOEST-Brücke erahnen - Stichwort „Radweganbindungen über die Hafenstraße“. Hat die Stadt Linz hier endlich Verbesserungen vor oder wird für den Radverkehr alles noch schlimmer?

„Einmal mehr zeigt sich, dass die Koordination aller beteiligten Projektpartner - hier ASFINAG, Stadt Linz und Land OÖ - und auch der betroffenen Radfahrer nicht funktioniert hat. Was für den Autoverkehr undenkbar wäre, ist für den Radverkehr zum wiederholten Mal traurige Realität geworden: Nach dem Umbau bzw. Neubau sind Durchgängigkeit und Attraktivität der Wege nicht gleich gut oder besser, sondern schlechter als vorher!“ sagt DI Lukas Beurle, stv. Vorsitzender der Radlobby OÖ.


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