Infrastrukturleitlinien der Radlobby Wien

Aufbauend auf die Radstrategie für Österreich hat die Radlobby Wien in einem breiten Diskussionsprozess zehn Prinzipien einer sicheren, als sicher empfundenen und komfortablen Radinfrastruktur identifiziert.

Die Leitlinien bilden die Basis für unsere Infrastruktur-Analysen und sollen dazu dienen, das Verständnis für die Anforderungen an Radinfrastruktur in der Öffentlichkeit sowie in der Verwaltung und Politik zu verbessern.

Leitlinien für sichere, zukunftsfähige Radinfrastruktur

Radverkehrsplanung heißt, für alle konstant mehr werdenden VerkehrsteilnehmerInnen, die sich mit dem Rad fortbewegen, ein entsprechendes Angebot zu schaffen. Nur so können die positiven gesundheitlichen und wirtschaftlichen Effekte von Radverkehr weiter gesteigert werden. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden braucht es verkehrsplanerische und verkehrspolitische Entscheidungen, die zukunftsorientiert sind und eine hohe Qualität der Radinfrastruktur für alle Nutzergruppen zum Ziel haben.

Verkehrssicherheitsmaßnahmen im Allgemeinen müssen sich an der „Vision Zero“ orientieren, also am Ziel, tödliche oder schwere Unfälle gänzlich zu vermeiden. Lebensqualität in einer modernen Stadt bedeutet, dass Straßen für alle geplant und gebaut werden. Straßen sollen als Orte der Vielfalt und Lebendigkeit, nicht der Lebensgefahr gestaltet sein.     

Radinfrastruktur: sicher und komfortabel 

Für eine Steigerung des Radverkehrs brauhct es Wege für entspanntes Radfahren. Diese werden ermöglicht durch:

  • ein durchgehendes, feinmaschiges Radverkehrsnetz
  • schützende Kreuzungen
  • Fahrradstraßen
  • Begegnungszonen
  • autofreie Stadteile
  • Öffnen von Straßen für den Radverkehr 
  • Temposchutz von 30 km/h innerorts

Darauf basierend macht die Radlobby Wien folgende zehn Leitlinien fest:

  1. Die gesamte Radinfrastruktur soll für alle Alters- und Nutzergruppen attraktiv sein. Diese Infrastruktur soll als durchgängiges, feinmaschiges Radverkehrsnetz Quellen und Ziele verbinden und die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Radverkehrs fördern. 
     
  2. Die dafür nötige Umverteilung des öffentlichen Verkehrsraums muss die Interessen und den Platzbedarf von Fuß- und Radverkehr berücksichtigen. Radinfrastruktur darf nicht auf Kosten der Flächen für zu Fuß Gehende errichtet werden. Gemischter Rad- und Fußverkehr ist punktuell sinnvoll und kann gezielt eingesetzt und gestaltet werden.
     
  3. Die gewünschte Erhöhung des Radverkehrs muss bei allen Baumaßnahmen berücksichtigt werden. Radwege müssen so breit sein, dass ein Überholen und Nebeneinanderfahren sicher möglich ist. Kurvenradien und Sichtbeziehungen müssen entsprechend der vorgesehenen Geschwindigkeit gewählt werden.
     
  4. Radstreifen sind nur unter bestimmten Umständen zielführend und sollen nicht als generelles Instrument eingesetzt werden. Die Flüssigkeit, Sicherheit und Attraktivität für den Radverkehr muss gegeben sein. Generell sind baulich getrennte Radwege die beste Lösung.
     
  5. Die Beschilderung für den Radverkehr muss durchgängig, einheitlich und gut sichtbar sein.
     
  6. Gute Radverkehrsführung erschließt direkte Verbindungen und entspricht damit dem Konzept einer Stadt der kurzen Wege.
     
  7. Multimodale Wegeketten brauchen geeignete Schnittstellenangebote für Rad und ÖV an Knotenpunkten und entsprechende Radnetzplanung.
     
  8. Radabstellanlagen sollen sowohl auf Straßen und Plätzen, im Wohnbau und bei Geschäfts- und Nutzbauten errichtet werden. Sie sollen sicher, witterungsgeschützt und ausreichend vorhanden sein. Monitoring, Betreuung und Wartung brauchen zeitgemäße Lösungen. Barrierefreie Zugänglichkeit und Auffindbarkeit durch gut sichtbare Beschilderung stellen wichtige Erfolgskriterien für Radabstellanlagen dar.
     
  9. Alle Infrastruktur-Maßnahmen für den Radverkehr brauchen kontinuierliche Evaluierung und Benchmarking anhand von objektiven Kennzahlen.
     
  10. Budget und Personalressourcen der Stadtverwaltung für Radverkehrsmaßnahmen müssen entsprechend den politischen Zielwerten für den Radverkehr gestaltet sein. Um Radverkehr attraktiv gestalten zu können ist ein Radverkehrsbudget von mindestens 30€ pro Einwohner und Jahr notwendig.