Kampagne: Abstand macht sicher

Mangelnde Seitenabstände überholender Autos erschrecken RadfahrerInnen. Abrupt geöffnete Autotüren stellen für Radfahrende eine signifikante Gefahr dar. Wer durch solche Situationen das Radfahren als gefährlich erlebt, fährt nicht gerne weiter Rad. Die Radlobby hat aus diesen Gründen die Kampagne "Abstand macht sicher" ins Leben gerufen, die wichtige Bewusstseinsveränderungen bei LenkerInnen motorisierter Fahrzeuge und RadlerInnen bewirken möchte und auch den Gesetzgeber in die Pflicht nimmt.

Folgenden Themen widmen wir uns auf dieser Seite im Detail:

Der ausreichende Seitenabstand beim Überholen

Fakten- und Gesetzeslage

Kernforderung der Radlobby

Das können wir gemeinsam ändern

Der Abstands-Sticker, das Abstands-Trikot und das Abstands-Video

Dooring-Unfälle verhindern

Abstandskampagne mit Spende unterstützen

 

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abstand_macht_sicher_flyer_a6_2018.jpg, von radlobby.at/abstand

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Der ausreichende Seitenabstand beim Überholen

Alle RadlerInnen, ob im Alltag oder bei einer Trainingsfahrt unterwegs, kennen die Schreckmomente, wenn sie von Autos zu eng oder auch zu schnell überholt werden. Die StVO schreibt vor, dass „beim Überholen ein der Verkehrssicherheit und der Fahrgeschwindigkeit entsprechender seitlicher Abstand vom Fahrzeug, das überholt wird, einzuhalten ist“, und dass zu einspurigen Fahrzeugen ein größerer Sicherheitsabstand einzuhalten ist als beim Überholen von Autos. Da diese Vorschrift zu ungenau ist, lehren Fahrschulen die ergänzende Daumenregel von „1m + 1cm/Fahrgeschwindigkeit“, also zum Beispiel 1,5m bei 50 km/h des Kfz.

Radlobby und der Österreichische Radsportverband (ÖRV) greifen das drängende Thema nun gemeinsam auf und wenden sich damit an AutolenkerInnen: Der ausreichend sichere Seitenabstand zu Radfahrenden beim Überholen beträgt mindestens 1,5 Meter, sonst ist ein Überholen nicht sicher möglich. Also bitte Abstand einhalten oder rücksichtsvoll warten, bis sich die Gelegenheit zum sicheren, legalen Überholen ergibt. Diese Botschaft bringen wir dreifach in die Öffentlichkeit.

Die Radlobby tritt daher dem BMVIT gegenüber für fixen Überholabstand in der StVO ein. Dazu gibt es unterstützende Urteile des OGH u.a., die zulässige Mindestabstände bzw die Unterschreitung davon judiziert haben: "Der Seitenabstand muss umso größer sein, je höher die Fahrgeschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges und je labiler das überholte Fahrzeug (mehrspurig, einspurig) ist." (Beispiele HIER)

Fakten & Gesetzeslage

In Wien sind 11%* der Radverkehrsunfälle durch geöffnete Autotüren verursacht (*MA 46). Den Seitenabstand zu stehenden Hindernissen schreibt die  StVO §7 (1) so vor: „Der Lenker eines Fahrzeuges hat, […] so weit rechts zu fahren, wie ihm dies unter Bedachtnahme auf die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs zumutbar und dies ohne Gefährdung, Behinderung oder Belästigung anderer Straßenbenützer, ohne eigene Gefährdung und ohne Beschädigung von Sachen möglich ist“ Der Öffnungsbereich von Autotüren erstreckt sich von 80cm bei Kleinwagen bis 1,5m bei Coupés oder LKWs. Die richtige Spurwahl durch RadlerInnen macht also sicher und ist StVO-Konform.

Daher:  Radfahrende sollen einen Seitenabstand von mindestens 1,2 Meter vom Lenkerende zu parkenden KFZ einhalten.

Der Seitenabstand beim Überholen von einspurigen Fahrzeugen wird ebenso von der StVO §15(4) beschrieben: „Beim Überholen ist ein der Verkehrssicherheit und der Fahrgeschwindigkeit entsprechender seitlicher Abstand vom Fahrzeug, das überholt wird, einzuhalten.“ Diese Definition gibt aber den Radfahrenden keine zuverlässige Rechtssicherheit.

Daher: Beim Überholen von Radfahrenden sollen KFZ einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m einhalten!

Da dieser Seitenabstand sicherheitsrelevant ist und bei dessen Einhaltung die Fahrspur des Rades bei ca. 1,5 Meter vom parkenden Auto liegt, kann ein Mehrzweckstreifen mit der gängigen Mindestbreite laut RVS-Richtlinie von eben diesen 1,5 Metern dem Radfahrenden keinen Schutz mehr bieten, wodurch eine Änderung der Richtlinien unvermeidbar ist.

Daher: Die Mindestbreite von Mehrzweckstreifen neben Parkstreifen muss 1,75m betragen.

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Jene Person, die die Türe eines KFZ öffnet, ist laut StVO §23 (4) dafür verantwortlich, dass niemand dadurch gefährdet oder behindert wird: „Die Türen eines Fahrzeuges dürfen so lange nicht geöffnet werden und auch nicht geöffnet bleiben, als dadurch andere Straßenbenützer gefährdet oder behindert werden können.“

Daher: Autotüren keinesfalls vor einem/r herannahenden RadfahrerIn öffnen, Schulterblick nie vergessen!

Kernforderung der Radlobby

„Die Radlobby fordert nach Vorbild der jüngsten portugiesischen Gesetzesänderung auch in Österreich die Verankerung eines verpflichtenden Seitenabstands für KFZ beim Überholen von RadlerInnen mit zumindest 1,5 Meter in der StVO!“ fasst Roland Romano, Sprecher Radlobby Österreich, die Forderung an den Gesetzgeber zusammen.

Das können wir gemeinsam ändern:

KFZ

LenkerInnen von Autos oder Lastwägen: Öffnet eure Autotüren nicht ohne Schulterblick. Der ausreichend sichere Seitenabstand zu Radfahrenden beim Überholen beträgt mindestens 1,5 Meter, sonst ist ein Überholen nicht sicher möglich.

RAD

RadfahrerInnen: Der empfohlene Seitenabstand zu parkenden Autos, um abrupt geöffneten Türen ausweichen zu können,  beträgt mindestens 1,2 Meter.

MZS

VerkehrsplanerInnen: Die Mindestbreite eines Mehrzweckstreifens von 1,5 Metern neben parkenden Autos reicht nicht aus für genügend Bewegungsfreiheit und Sicherheit für Radverkehr. Die empfohlene Regelbreite in der RVS Radverkehr beträgt 1,75 Meter, Radfahrstreifen auf Hauptrouten entsprechen ab einer Breite von 2 Metern diesem Stand der Technik. Die Radlobby setzt sich zusätzlich für einen Schutzstreifen zwischen Radfahrfläche und angrenzenden Fahrzeugen nach dem Vorbild des holländischen "critical reaction strip" ein.

BMVIT

Verkehrsministerium: Die gesetzliche Verankerung eines verpflichtenden Seitenabstands für KFZ beim Überholen von RadlerInnen sollte mit zumindest 1,5 Meter in der StVO verankert werden.

"Der Sicherheitsabstand ist die Knautschzone der Radfahrenden. Diese einzuhalten ist eine Frage der Rücksichtnahme der KFZ-LenkerInnen, aber auch eine der richtigen Spurwahl der RadlerInnen, die genug Abstand zu parkenden Autos und Fahrbahnrändern halten sollten, um enges Überholen und Türunfälle zu vermeiden." Die Kampagne „Abstand macht sicher!“ der Radlobby Österreich nimmt sich dieser wichtigen Sicherheitsthemen an.

Das Abstands-Video

Das neue Youtube-Video der Radlobby zeigt, wie wichtig Rücksichtnahme durch richtigen Abstand ist. Anschauen, teilen, weitersenden:

Machen Sie mit und verbreiten Sie das Thema – damit Radfahren sicherer wird. Auf der Gesetzesebene setzt sich die Radlobby währenddessen beim Verkehrsministerium dafür ein, einen fixen Mindestabstand in der StVO zu verankern.

Dooring-Unfälle nehmen zu

Wiederholt werden RadfahrerInnen durch unachtsam geöffnete Autotüren verletzt oder gar getötet. In Graz hatten beispielsweise 2015 zwei Dooring-Unfälle zu tödlichen Verletzungen geführt: Eine 74-jährige Radfahrerin, die am 28. April 2015 in Graz gegen eine geöffnete Autotür gefahren war, war später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen. Davor ist am 6. April ist ein Radler (46) an den schweren Verletzungen, die er bei einem Dooring-Unfall in Graz-Gries erlitten hatte, gestorben. In Wien Simmering wurde am 4. Juni ein Kind im Kindersitz bei einem Dooring-Unfall verletzt.

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Diesbezüglich sind zwei Dinge ganz wichtig:

1. Eine Bewusstseinskampagne auf Bundesebene durch das bmvit, um AutolenkerInnen auf ihre Verantwortung aufmerksam zu machen und

2. Der richtige Seitenabstand von RadlerInnen zu parkenden Autos: mindestens 1,2m vom Lenkerende zum Parker.

Diese Empfehlung wurde im September 2016 vom Wiener Verwaltungsgericht rechtlich abgesichert: "Ein Seitenabstand von 1,2 - 1,8 Metern ist bei 30 km/h eine vertretbare Entfernung, will sich der Radfahrer nicht der Gefahr aussetzen, durch eine geöffnete Fahrzeugtüre verletzt zu werden." wie wir hier berichten.

Abstand zu FußgängerInnen

Der Fußverkehr und der Radverkehr haben sehr vieles gemeinsam:

Beide Mobilitätsformen sind muskelbetrieben, effizient, energiesparend, stadt‐ und umweltgerecht, gesund sowie kostengünstig. Beide Fortbewegungsarten sind im Flächenverbrauch genügsam und tragen zur Lebensqualität bei. Klimaschutz,
Gesundheit, Verkehrssicherheit und Volkswirtschaft profitieren somit von mehr aktiver Mobilität!

Zu Fuß gehen ist die ursprünglichste und für viele Menschen einzige Form der selbständigen Mobilität. FußgängerInnen haben Anspruch auf ein attraktives, engmaschiges Netz von Wegen, Plätzen und Flächen, auf denen ihre Sicherheit gewährleistet ist, man sich aufhalten und verweilen kann. 

Damit zu Fuß Gehende auch auf gemischten Wegen bzw. Flächen sicher und gefühlt sicher sind, gilt es, Rücksicht zu nehmen. Auch wenn FußgängerInnen dort mit Radfahrenden rechnen (müssen), sollte in sicherem Abstand und mit vorsichtig gewählter Geschwindigkeit vorbeigefahren werden. Im Bedarfsfall ist es hilfreich, sich möglichst frühzeitig freundlich bemerkbar zu machen und im Zweifel auch anzuhalten.

So sollte kein Fahrzeuglenker etwa bei mehreren nebeneinander gehenden Menschen drängeln oder " sich durchzwängen", sondern nach dem ersten Kommunikationsversuch warten, bis diese ausgewichen sind. Ein ausgesprochenes oder gedeutetes "Danke" hilft beim gegenseitigen Verständnis durch Sympathie.

Besondere Vorsicht gilt bei kleinen Kindern und gebrechlichen Menschen. Jüngere Kinder können plötzlich und willkürlich ihre Laufrichtung ändern, gebrechliche und ältere Menschen hören herannahende Fahrräder schlecht und erschrecken deshalb leicht. Das potenzielle Konflikt-Thema ist auch ein Grund, warum sowohl Radlobby als auch FußgängervertreterInnen getrennte Infrastruktur für Fuß und Rad auf Hauptrouten einfordern. Das Mischen sollte dort nach Möglichkeit vermieden werden und primär in der Erschließungsfunktion Anwendung finden.

Die Radlobby Österreich und WalkSpace haben bereits 2014 gemeinsam ein Positionspapier erarbeitet -  Radverkehr und Fußverkehr treten darin gemeinsam für mehr Rücksicht ein und fordern einen höheren Stellenwert in der bisherigen autozentrierten Straßengestaltung ein.


Abstandskampagne mit einer Spende unterstützen

Bus-Kampagne

Um mehr Menschen zu erreichen, haben wir einen Autobus der Wiener Linien mit unserem Abstands-Sujet beklebt. Für die Umsetzung bekamen wir finanzielle Unterstützung all jener, denen ein achtsames Miteinander im Straßenverkehr ein Anliegen ist. Alle Radfahrende, FußgängerInnen und LenkerInnen motorisierter Fahrzeuge trugen gemeinsam dazu bei, diese Stadt lebenswerter zu machen. 

 

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Mit diesem Sujet wurde ein Bus beklebt

Ein Teil der Kosten dieses Projekts wurden innerhalb weniger Tage via Crowdfunding auf respekt.net aufgestellt. Die enorme, schnelle Unterstützung zeigt uns, dass die Kampagne für viele wichtig ist - deswegen sammeln wir weiter, um nicht nur einen, sondern sogar mehrere Busse bekleben zu können. 

Helfen Sie mit! Leisten Sie Ihren Beitrag zu einem sicheren, faieren und rücksichtsvollen Miteinander im Straßenverkehr!

So geht´s: 

  • Überweisen Sie einen Betrag nach Ihrem Geschmack an unsere Kontonummer: Radlobby ARGUS, IBAN: AT40 6000 0000 0758 2600, BIC: BAWAATWW, Verwendungszweck: Buskampagne
  • Oder: Nutzen Sie die einfache Zahlungsabwicklung (Sofortüberweisung, Kreditkarte, oder einmalige Abbuchung per SEPA-Lastschriftmandat) über das Online-Formular.

Weiters: Die Radlobby hat bereits ein wichtiges Gerichtsurteil über zulässigen Seitenabstand erkämpft, nun wollen wir dieses für Gesetzes- und Richtlinienänderungen sowie Bewusstseinsbildung nützen. Unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer projektbezogenen Spende für die Kampagne Abstand macht sicher!

Abstand-Aktionen in den Bundesländern und international

Salzburg 

Steiermark 

Bonn 

Duisburg

Köln

Immenstadt im Allgäu

Weiterlesen

Zur inhaltlichen Vertiefung empfehlen wir der umfangreichen Factsheet zu Überholabständen des deutschen ADFC: DOWNLOAD PDF.