Radmitnahme in ÖBB-Zügen

Die umweltfreundliche Kombination von Bahn und Rad erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Das Rad im Zug mitzunehmen ermöglicht Flexibilität am Zielort und vergrößert den Bewegungsradius - ob bei einer Geschäftsreise oder einem Sonntagsausflug. Auch viele attraktive Freizeitdestinationen können multimodal optimal erreicht werden. Aus Sicht radfahrender KundInnen gibt es trotz der Nachrüstungen bei den railjets noch viel Potential, welches die Radlobby in ihrer Strategie für Bahn & Rad anhand von fünf Handlungsfeldern verdeutlicht hat. Wie die Radmitnahme derzeit funktioniert und wo Sie auch spezielle Radtypen wie Liege- oder Transporträder mitnehmen können, lesen Sie hier.

Radmitnahme im Nahverkehr

Züge des Nahverkehrs (S-Bahn, Regional Express & Regionalzug) sind meist mit sogenannten Mehrzweckabteilen ausgestattet. Hier gilt, dass die Fahrradmitnahme "nach Maßgabe des vorhandenen Platzes zulässig" ist. In Mehrzweckabteilen gibt es keine Größenbeschränkungen für Fahrräder (vor allem für Tandems, Liegeräder und Transporträder relevant) und auch die Mitnahme von Fahrradanhängern ist erlaubt. Bei den unterschiedlichen NutzerInnengruppen eines Mehrzweckabteils gibt es jedoch gewisse Prioritätsregeln. Wenn der Platz im Mehrzweckabteil nicht für alle ausreicht, haben RollstuhlfahrerInnen Vorrang vor Fahrgästen mit Kinderwagen und vor abgestellten Fahrrädern.

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Wenn beispielsweise alle drei Gruppen mitgenommen werden wollen, aber der Platz nur für eine davon ausreicht, so dürfen RollstuhlfahrerInnen einsteigen und Fahrgäste mit Kinderwagen und Fahrrädern müssen zurückbleiben. Diese Regelung gilt jedoch immer nur für den jeweiligen Einstiegsbahnhof, also die Bahnfahrerin mit Fahrrad muss den Zug nicht verlassen, wenn beim nächsten Halt ein Rollstuhlfahrer zusteigen möchte, aufgrund des Fahrrads jedoch kein Platz mehr für diesen ist.

Die Sitzplätze im Mehrzweckbereich können auch von anderen Reisenden genutzt werden, jedoch müssen diese ihren Platz wechseln, wenn RollstuhlfahrerInnen, Passagierinnen mit Kinderwagen oder mit Fahrrad sonst nicht zusteigen können. Ein Fahrrad mitzunehmen hat somit Priorität vor einem Sitzplatz. (Das gilt auch für Fahrrad-BesitzerInnen, die kein Recht auf einen Sitzplatz neben ihrem Fahrrad haben.)

Der Haken bei der Fahrradmitnahme im Nahverkehr ist, dass nicht alle Regionalzüge mit Mehrzweckabteilen ausgestattet sind. In Zügen der Baureihe 5047, 4020 oder den Fahrzeugen des REX 200 gibt es keine Mehrzweckabteile, in diesen Zügen werden daher keine Transporträder oder Tandems transportiert. Die Fahrplandaten geben keine Auskunft, welche Verbindungen mit Mehrzweckabteilen ausgestattet sind.

Die Kosten für die Radmitnahme betragen 10 Prozent des Normaltarifs, jedoch mindestens 2 Euro. Für Vorteilscard- oder ÖsterreichcardbesitzerInnen gibt es keine Ermäßigung, für sie ist auf Kurzstrecken das Radticket nicht selten teurer als die eigene Fahrkarte.

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Radmitnahme im Fernverkehr

Die Fahrradmitnahme im Fernverkehr ist nun nicht zuletzt dank jahrelangem Radlobby-Engagement in den meisten Fernverkehrszügen möglich (außer manche Nachtzugverbindungen und ICE). Allerdings ist in railjets, InterCitys, EuroCitys und Nightjets zusätzlich zum Radticket (10% des Normaltarfs) eine kostenpflichtige Reservierung erforderlich (3 Euro). Tandems, Liegeräder, Lastenräder oder Fahrradanhänger werden nur in speziellen Gepäcksabteilen mitgenommen (nur in bestimmten EC/IC/EN-Zügen). Im Fahrplan ist nicht ersichtlich welche Züge über ein solches Gepäcksabteil verfügen. Da auf der Westbahnstrecke zwischen Wien und Salzburg alle Intercitygarnituren durch railjets ersetzt worden sind, ist hier die Möglichkeit im Fernverkehr größere Radtypen zu transportieren bedauerlicherweise verloren gegangen.

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Das Rad als Gepäcksstück

Falträder können (im gefaltenen Zustand) in der Regel als normales Gepäckstück transportiert werden. Das bedeutet, dass sie kostenlos transportiert werden können, und auch nicht den Beförderungsbeschränkungen unterliegen, die bei den unterschiedlichen Verkehrsbetrieben für den Fahrradtransport gelten (nur zu gewissen Tageszeiten, Wochentage, Reservierungspflicht u.Ä.)

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Regelungen im Detail:

ÖBB

Seit 2014 sind Falträder nicht mehr explizit in den allgemeinen Transportbedingungen erwähnt. Laut schriftliche Zusage der ÖBB der Radlobby gegenüber gibt es aber keine Änderung:
„Es gilt diesbezüglich weiterhin folgender Grundsatz: Klapp-/ Falträder, sowie (teil)demontierte und verpackte Fahrräder werden gratis befördert! Sie müssen in den für die Beförderung von Handgepäck vorgesehenen Gepäckablagen sicher verstaut werden!“

Westbahn

Klappräder in Verpackung können ohne Reservierung in den Zug mitgenommen werden.

Wiener Linien

Zusammengefaltete Falträder gelten laut Beförderungsbedingungen als Handgepäck, und können in allen Verkehrsmitteln (U-Bahn, Straßenbahn, Bus) der Wiener Linien zu jeder Uhrzeit transportiert werden. (Um Missverständnisse zu vermeiden das Fahrrad zusammenfalten
bevor Sie zusteigen)

Quelle: Beförderungsbedingungen gültig ab 1.9.2018