Kindertransport am Rad

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Kinder und das Fahrrad - eine innige Beziehung, die damit beginnen kann, dass Eltern ihre Kinder schon früh mit dem Rad mitnehmen. Aber wie am besten?

Die Radlobby hat die unterschiedlichen Transportmöglichkeiten von Kindern am Rad und wichtige Tipps für eine sichere Familienmobilität per Fahrrad zusammengestellt. Denn junge Familien müssen auf gemeinsames Radfahren nicht verzichten – im Gegenteil! Eltern, die Fahrrad und Familie vereinen wollen, haben eine große Auswahl an unterschiedlichen Transportlösungen: Kinderfahrradanhänger, Kindersitz und Lastenräder sind vielseitige Alternativen oder Ergänzungen zu Kinderwagen, Auto und Öffis. Vorgelebte Radmobilität macht Freude und bringt viele Vorteile im Alltag: Kostenersparnis, Umweltschutz und Fitness.

Das Angebot an passenden Produkten wird immer breiter und qualitativ hochwertiger. Je nach Einsatzzweck, Budget, Alter und Anzahl der zu befördernden Kinder bieten die Systeme unterschiedliche Vor- und Nachteile bezüglich Komfort und Sicherheit. Hier ein kurzer Überblick:

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Allgemeine rechtliche Bestimmungen

Kindertransport allgemein

§65 StVO, §§ 3,5,6,7 Fahrradverordnung

Bei allen angeführten Transportvarianten muss jedes Kind:

  • einen eigenen Sitzplatz haben,
  • mit einem Gurtsystem angegurtet sein
  • und durch die Konstruktion davor geschützt sein, mit Händen oder Beinen in die Räder des Fahrrads oder des Anhängers zu gelangen oder den Boden zu berühren.

Die Person, die das Fahrrad lenkt, muss mindestens 16 Jahre alt sein, um ein Kind auf dem Fahrrad mitführen dürfen.

Helmpflicht

§68 Abs. 6 StVO

Kinder unter 12 Jahren müssen sowohl beim Radfahren als auch beim Transport auf Fahrrädern und in Fahrradanhängern einen Radhelm tragen. Die Aufsichtsperson hat dafür zu sorgen, dass das Kind den Helm richtig trägt.

Ausnahme laut StVO:
„Dies gilt nicht, wenn der Gebrauch des Helms wegen der körperlichen Beschaffenheit des Kindes nicht möglich ist.“

Anhänger

§3, §5, §7 Fahrradverordnung

Anhänger ziehen

Laut Fahrradverordnung sind alle Räder zum Ziehen von Anhängern zugelassen,
die über einen Ständer verfügen und deren Antrieb leicht genug übersetzt ist. (Entfaltung am leichtesten Gang unter 4 m pro Kurbeldrehung)

Das ist seit 2014 dank RADLOBBY-Einsatz auch dementsprechend für Rennräder
erlaubt.

Ausnahmen zur Radwegbenützungspflicht

Bis zu einer Breite von 80 cm dürfen mit einem mehrspurigen Fahrrad oder Anhänger Radfahranlagen benutzt werden, müssen aber nicht. Über einer Breite von 80 cm muss die Fahrbahn benutzt werden, außer es ist ein Anhänger ausschließlich für Personentransport.

Ausrüstung von Anhängern

  • Radblockierung/Feststellbremse
  • Die Kupplung muss gewährleisten, dass der Anhänger aufrecht bleibt, wenn das
  • Fahrrad umkippt
  • Max. erlaubtes Ladegewicht eines ungebremsten Anhängers: 60 kg
  • Wimpel in Leuchtfarbe an einer mindestens 1,5 m hohen, biegsamen Fahnenstange

Licht & Reflektoren

Anhänger bis 60 cm Breite:

  • 1 weißer Reflektor vorne
  • 1 roter Reflektor hinten
  • 1 rotes Rücklicht

Breitere Anhänger brauchen davon je 2 Stück, sodass die Breite klar erkenntlich
ist. Alle Anhänger brauchen je Seite einen gelben Reflektor.

 

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Kindersitz – Kinderthron für kurze Wege ohne viel Gepäck

Geeignet ab ca. 9 Monate bis 6 Jahre/ca. 22 kg

Kind

  • selbstständiges Sitzen
  • Wetterschutz beachten
  • hinten abgeflachter Kinderhelm verhindert nach-vorne-Drücken des Kopf durch Rückenlehne
  • Kind nie alleine im Kindersitz lassen

Technik

  • auf Gewichtsgrenze achten (meistens bis 22 kg/ etwa 6 Jahre)
  • Sicherheitsmerkmale: Fußriemen, Speichenschutz und Gurt
  • Fahrrad: steifer Rahmen und gute Bremsen
  • vorhandene Sattelfedern mit Fingerschutz abdecken
  • stabiler Fahrradständer: Hinterbau- oder breite Mittelbauständer
  • Lenkungsdämpfer verhindert Einschlagen des Lenkers

Fahren

  • veränderte Fahrweise durch nach hinten verlagerten Schwerpunkt beachten
  • Gepäcktransport: z. B. Korb am Lenker, vordere Packtaschen (hinten kann Kindersitz im Weg sein), Alternativen zum Rucksack bedenken, stört hinten sitzendes Kind
  • Fahrrad immer mit einer Hand festhalten

Rechtslage

Beim Transport im Kindersitz:

  • darf nur ein Kindersitz am Fahrrad montiert sein, und
  • darf der Kindersitz nur hinter dem Sattel angebracht sein

Achtung: Die in anderen Ländern gängige Praxis der Montage eines Kindersitzes vor statt hinter der FahrerIn ist in Österreich zwar einerseits nicht erlaubt, laut EU-Gleichstellungsklausel aber andererseits dennoch bei uns zulässig.

Der Kindersitz muss mit

  • einem Gurtsystem, das vom Kind nicht leicht geöffnet werden kann,
  • einer Kopflehne und
  • einem verstellbaren Beinschutz ausgerüstet sein.

Vorteile

  • abnehmbar
  • leicht verstaubar
  • preisgünstig
  • an mehreren Fahrrädern abwechselnd einsetzbar

Nachteile

  • nicht sehr bequem
  • nur für ein Kind möglich
  • geringere Gepäckmitnahme

 

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Kinderanhänger – Kinderzimmer für unterwegs

geeignet von 0-6 Jahre

Kind

  • Fahren mit geschlossenem Moskitonetz bewahrt die Kinder vor Schmutz, Fliegen
  • hintere Kotschützer des Zugfahrrads mit Gummispritzschutz zum Schutz vor Nässe und Splitt
  • Sitzkomfort durch Sitzverkleinerer, Kopfstützen und Babyschalen
  • gefederte Modelle für mehr Komfort

Technik

Gute Anhänger haben Sicherheitsgurte, Überrollbügel, Federung, Speichenschutz

Zuverlässige Bremsen und Schaltung beim Zugfahrrad sind zu empfehlen

Je fester die Verbindung von Fahrrad und Anhänger, desto weniger schaukelt sich das Gespann auf. Die Kupplung sollte möglichst kein Spiel haben und leicht zu bedienen sein

Fahrrad zum Fachhändler beim Kauf mitnehmen, nicht jede Kupplung passt an jede Hinterradnabe bzw. kann ein Hinterbauständer im Weg sein

Vor dem Kauf ausprobieren, wie sich beispielsweise Gurte und Sonnenverdeck bedienen lassen

Fahren

Zunächst ohne Kinder und Zuladung Fahren üben (Abstände, Bremsweg, vergrößerten Wendekreis einschätzen lernen) – der Anhänger passt durch Engstellen, wenn Sie mit breit ausgefahrenen Ellenbogen nicht anecken

Beim Wenden besser eine Linkskurve fahren, damit die an der linken Seite angebrachte Deichsel dem Hinterrad nicht in die Quere kommt Auf schmalen Verkehrsinseln darauf
achten, dass weder Anhänger noch Fahrrad auf die Straße ragen

Planen Sie Ihre Wege dem Anhänger entsprechend

Beim Ein- und Aussteigen Feststellbremse benutzen, so kann sich der Anhänger nicht selbstständig machen

Radanhänger kippen fast nie. Falls das Rad selbst umfällt, bleibt der Anhänger stehen. Einzig auf Bordsteinkanten vermehrt Acht geben

Ein Gespann mit einem gut konstruierten Kinderanhänger ist wesentlich leichter zu beherrschen als eine entsprechende Ladung im Kindersitz

Rechtslage

§3, §5, §7 Fahrradverordnung

An einem Kinderanhänger muss ein Wimpel in Leuchtfarbe an einer mindestens 1,5 m hohen, biegsamen Fahnenstange befestigt sein. Allgemeine Vorschriften für Anhänger beachten.

Von Radwegbenützungspflicht entbunden, mit Kinderanhänger besteht immer Wahlfreiheit für Fahrbahn oder Radfahranlage.

Vorteile

  • bequem (spielen, schlafen, Schutz vor Witterung)
  • sehr sicher
  • an mehreren Fahrrädern einsetzbar
  • viel Gepäckmitnahme, auch mit Radtaschen
  • auch für zwei Kinder
  • z. T. auch als Kinderwagen verwendbar

Nachteile

  • braucht mehr Lagerraum (viele Modelle lassen sich aber platzsparend falten)
  • Qualität hat ihren Preis

 

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Transportrad/Lastenrad – Die schadstofffreie Familienkutsche

geeignet von 0-99 Jahre

Kind

  • Für Kleinkinder, die noch nicht selbstständig sitzen können, gibt es Halterungen für geeignete Babyschalen

  • Gurtsystem

  • Fährt ein Kind mit, sitzt es besser in der Mitte. Dafür sollte das Gurtsystem ausgelegt sein

Technik

  • Bei häufigen Bergaufstrecken ist Unterstützung durch E-Motor („Pedelec“) zu empfehlen
  • Zulässiges Gesamtgewicht beim Kauf berücksichtigen (= Fahrergewicht + Zuladung von Gepäck und Mitfahrenden + Fahrradgewicht)
  • Möglichkeit für einen sicheren und geschützten Abstellplatz ohne Treppen oder schmale Türen beachten

Fahren

  • Unterschiedliche Fahrweisen je nach Modell – vor Kauf verschiedene Typen mit Zuladung und Kind ausprobieren
  • Das Fahren zunächst ohne Kinder und Zuladung üben – Länge des Rades und größeren Wendekreis beachten
  • bei Probefahrten mit Lasten vorsichtig bremsen
  • Vor allem bei Einspurern auf die Gewichtsverteilung von Fracht und Passagieren achten

Rechtslage

§6 Abs. 2a Fahrradverordnung

Lastenradmodelle, die mit Kindersitzplätzen in der Transportbox ausgerüstet sind, dürfen je nach Bauweise bzw. Herstellerangaben mehrere Kinder transportieren – seit der letzten StVO-Novelle! Die Transportbox kann vor oder hinter der FahrerIn sein.

Radwegbenützungspflicht: Ab 80 cm Breite ist für Lastenräder eine Benutzung von Radfahranlagen lt. StVO nicht zugelassen. Die RADLOBBY setzt sich für eine Änderung ein.

Vorteile

  • bequem (spielen, schlafen, Schutz vor Witterungen)
  • sicher
  • multifunktional
  • ermöglicht mehr Gepäckmitnahme
  • je nach Modell auch mehr als zwei Kinder mitnehmbar

Nachteile

  • braucht sicheren, großen Lagerraum (aber kleiner und billiger als Autos)
  • erschwerte Mitnahme im Öffentlichen Verkehr

 

Trailerbike & Kupplungssystem – Interessante Zwischenlösung für bereits Rad fahrende Kinder

geeignet ab ca. 4 Jahre

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Trailerbike

  • Nachziehrad ohne Vorderrad
  • wird ans Zugfahrrad gekuppelt
  • mit oder ohne Gangschaltung
  • Kind kann mittreten, muss aber nicht
  • einige Modelle können zum Fahrrad umgebaut werden

 

 

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Kombination Trailerbike & Fahrradanhänger

  • Kind kann mittreten wie bei Tandem
  • keine Gefahr, dass Kind aus dem Sitz kippt, wenn es müde wird
  • kann von Kind nicht eigenständig verwendet werden

 

 

 

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Kupplungssysteme oder Abschleppstangen

  • Verbindungskupplung zwischen Kinder- und Zugfahrrad
  • möchte das Kind nicht mehr fahren, wird das Kinderfahrrad ans Zugfahrrad gekuppelt

 

 

 

 

Technik & Ausstattung

  • Fahrrad zum Kauf mitnehmen
  • Trailerbike muss sich fest am Zugfahrrad montieren lassen
  • Trailerbikes und v. a. „Abschleppstangen“ minderer Qualität können sehr instabil sein

Rechtslage

Trailerbikes haben keine besonderen Rechtsvorschriften. Natürlich gilt auch hier die Helmpflicht bis 12 Jahre. Ein Rücklicht und ein roter Rückstrahler sind nötig, da Kind und Nachziehrad das Rücklicht am Fahrrad verdecken könnten.

Vorteile

  • längere gemeinsame Radelstrecken möglich
  • Mitnahme im Öffentlichen Verkehr einfacher
  • Kind kann allein fahren

Nachteile

  • bei den meisten Modellen keine Gepäckmitnahme am Gepäckträger möglich
  • Abschleppstangen können bei größeren Kindern instabil sein

 

 

Alle Informationen zum Thema finden Sie gesammelt in unserem Kindertransport-Ratgeber.

DOWNLOAD HIER:

Ergänzungen zum Folder

S.10: "Radwegbenützungspflicht: Ab 80 cm Breite ist für Lastenräder eine Benutzung von Radfahranlagen lt. StVO nicht zugelassen." Dies Aussage trifft nur auf mehrspurige Lastenräder zu. Einspurige Lastenräder sind nicht betroffen, auch wenn es selten einspurige Lastenräder gibt, die breiter als 80 cm sind.

Weiterführende Informationen

Literatur:

  • Burgstaller, Christoph (2014): Papa, du sollst weiterfahren! Kinder-Fahrrad-Anhänger in der Praxis. Erfahrungsberichte – Kaufentscheidung – Tipps & Tricks, Verlag Brüder Hollinek, Purkersdorf.
  • Fehlau, Gunnar; Gebel, Caspar (2012): Das Familien-Fahrradbuch. Vom Kinderanhänger bis zum Jugenrad, Delius Klasing Verlag, Bielefeld.

Bildquellen:

Peter Provaznik
Radlobby Wien, Illustration Daniela Schulhofer
www.britax-roemer.de
Pressedienst Fahrrad www.pd-f.de/zweipluszwei
Pressedienst Fahrrad www.pd-f.de/r-m
ARGUS Steiermark
Joe Friedrich
www.followme-tandem.com