Radfahren hält gesund

Die vielleicht einfachste Möglichkeit, Bewegung in den Alltag zu integrieren, ist, Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Die positiven Gesundheitseffekte machen sich nicht nur auf individueller, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene bemerkbar.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die physisch weniger aktiv sind, viel gefährdeter sind, Gesundheitsprobleme wie Herzkrankheiten oder Diabetes zu bekommen. Ihre Lebenserwartung sinkt. Dennoch ist der allgemeine Aktivitäten-Wert tendenziell abfallend. Für viele Menschen ist die subjektive Wahrnehmung eines Unfallrisikos eine Barriere, die vom alltäglichen Radfahren im Verkehr abhält. Die realen Risiken jedoch, so geben Statistik und Forschung immer wieder bekannt, sind minimal - vor allem im Vergleich zu den positiven Gesundheitseffekten, die das tägliche Radfahren mit sich bringt.

Neue britische Studie 

Vor kurzem wurde im „British Medical Journal“ die bisher größte Studie zu diesem Thema veröffentlicht. Besonders die Resultate betreffend Radfahren sind sehr überzeugend. Sie zeigen, wie wichtig es ist, dass die Regierung es zu ihrer Top-Priorität macht, so viele Menschen wie möglich zu ermutigen, auf´s Fahrrad zu steigen. 

Radfahren verbessert die individuelle Fitness sowie die psychische und physische Gesundheit signifikant und reduziert nachweislich die Risiken, einen Herzinfarkt zu erleiden, oder an Diabetes zu erkranken. Darüber hinaus hat Radfahren als alltägliches Verkehrsmittel einen wichtigen positiven Effekt auf das gesamte Gesundheitswesen.

Die Resultate

„Aktives Pendeln“, also in die Arbeit gehen oder Radeln, ist in Großbritannien nicht gerade sehr beliebt, steigert aber nachweislich die Gesundheit. Die Studie begleitete ihre Testpersonen über fünf Jahre hinweg. Man fand heraus, dass das Zurücklegen des Arbeitsweges mit dem Fahrrad im Vergleich zu einem Arbeitsweg mit Auto oder öffentliche Verkehrsmitteln das Todes-Risiko insgesamt um 41 Prozent minimierte. Fahrrad-Testpersonen wiesen ein um 52 Prozent niedrigeres Risiko auf, Herzkrankheiten zu bekommen und ein 45 Prozent geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken. 
Es ist für die Gesellschaft wichtig, anzuerkennen, dass Radfahren und Fußgehen die gesündeste Art ist, sich fortzubewegen. Besonders jene täglichen Wege, die vom motorisierten Individualverkehr auf das Fahrrad umgesattelt werden, sind von zentraler Bedeutung.

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Radfahren verbessert die individuelle Fitness sowie die psychische und physische Gesundheit signifikant und reduziert nachweislich die Risiken eines Herzinfarktes, von Diabetes und Übergewicht. Darüber hinaus hat das Radfahren als alltägliches Verkehrsmittel einen wichtigen positiven Effekt auf das gesamte Gesundheitswesen.

Bereits 2008 entwickelte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem "Health Economic Assessment Tool for cycling" (HEAT) einen Kalkulator, der die positiven Effekte des Radfahrens messbar macht. HEAT schätzt den volkswirtschaftlichen Nutzen des Radfahrens der sich aus der geringeren Sterberate von RadfahrerInnen ergibt.

Klimaaktiv hat mit dem HEAT tool die Einsparungen durch den Radverkehr in Österreich berechnet, basierend auf einem Radverkehrsanteil in Österreich der 2010 bei 7% lag, mit einer durchschnittlichen Fahrlänge von 2 km. Zusätzlich werden für die Eingabe weitere Kennzahlen des Verkehrs benötigt wie: Anzahl der zurückgelegten Wege in Österreich, Anzahl der durchschnittlichen täglichen Wege und ähnliches.

Laut WHO Rechner beläuft sich der durchschnittliche Gesundheitsnutzen durch Radfahren in Österreich 2010 auf 725 Mio. Euro pro Jahr. Mit dem Ziel eines 13 % Radverkehrsanteils bis 2025 erhöht sich der jährliche
Gesundheitsnutzen auf 1,4 Mrd. Euro.

Die mit dem HEAT tool ermittelten Zahlen eigenen sich besonders gut als Argument zur Förderung des Radverkehrs. HEAT für Radfahren erlaubt, Investitionskosten in Radinfrastruktur dem Gesundheitsnutzen und damit verbundenen volkswirtschaftlichen Einsparungen gegenüber zu stellen. Wenn beispielsweise durch Investitionen in den Radverkehr ein Verkehrsanteil von 10% landesweit erreicht wird, verdoppelt sich auch der Gesundheitsnutzen auf 810 Mio. Euro.

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Der Kalkulator basiert auf statistischen Berechnungen des relativen Risikos der Sterberaten von RadfahrerInnen im Vergleich zu anders mobilen Personen. Die Grundlage war eine dänische Langzeitstudie mit rund 30.000 Erwachsenen, in welcher ungefähr 7.000 Rad-PendlerInnen im Alter zwischen 20-60 Jahren über 14,5 Jahre beobachtet wurden. Die Studie berücksichtigt sowohl die üblichen sozioökonomischen Variablen relevant für das Sterberisiko (Alter, Geschlecht, Rauchen, etc.) als auch die sportliche Bewegung in der Freizeit. Somit wurde der mögliche Ersatz von sportlicher Bewegung in der Freizeit durch Alltagsradfahren berücksichtigt. Das Ergebnis: bei einer durchschnittlichen Radpendelzeit von 3 Stunden pro Woche hatte diese Gruppe ein 28% geringeres Todesrisiko als Nicht-RadlerInnen.