Die Ringstraße muss zum jetzigen Zeitpunkt so vieles sein. Wien leidet sichtlich unter ihrer verkehrspolitischen Vernachlässigung. Die Radlobby Wien zeigt, wie es besser geht. Die Ringstraße beherbergt zwei der meistbefahrenen Radwege Österreichs, führt zahllose TouristInnen rund um Wiens beliebte historische Innenstadt, ist Wegstrecke für gehende WienerInnen und stark frequentierte Straßenbahnlinien. Dazwischen liegen drei bis vier Spuren mit rasantem Autoverkehr, am Kai sogar bis zu sechs; hinzu kommt häufig pro Seite eine meist zugeparkte Nebenfahrbahn, die jede für sich ca. so breit wie die Hauptfahrbahn ist. Das führt zu Konflikten zwischen den schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen und zu Lärm, Schmutz, Feinstaub und CO2-Ausstoß.
Dafür gibt es jedoch eine Lösung: Die Verlagerung des motorisierten Durchzugsverkehrs auf die Zweierlinie schafft Platz für den Umweltverbund am Ring, für menschenfreundliche Lebensqualität. Sie wertet den Ring zu seinem Ursprungsgedanken auf: Flaniermeile, Prachtboulevard, Wohlfühlzone. Der Ring würde wieder zu dem Schmuckstück, das er sein sollte.
Hier direkt zu den Umgestaltungsplänen der Stadt Wien aus dem März 2026 und unserer Einschätzung.
Diese Verlagerung des Durchzugsverkehrs bedeutet die Aufrechterhaltung des notwendigen Kraftfahrzeugverkehrs. Die Erschließung für motorisierte Anlieger und Anrainer, für Lieferverkehr und Einsatzfahrzeuge sowie Taxis und Fiaker braucht deutlich weniger Fläche und ermöglicht eine neue, moderne Flächennutzung. Nebenfahrbahnen und einspurige Fahrschneisen sowie Querungen in den ersten Bezirk sind dafür ausreichend, der frei werdende Platz kommt dem Umweltverbund zu Gute und entschärft die vorhandenen Konflikte.
FußgängerInnen bekommen mehr Platz zum Gehen, Stehen und Schauen. Neue Plätze entstehen und die Reiterallee wird wieder zum kreuzungsfreien und beschatteten attraktiven Gehweg. Radfahrende können den Ring als notwendige Hauptroute nutzen. Dafür werden in einem ersten Schritt die Alleen der Ringstraße durchgängig gemacht. Damit wird die Reiterallee zwischen den größeren ampelgeregelten Kreuzungen kreuzungsfrei. Die Nebenfahrbahnen werden zu weitestgehend ampel- und kreuzungsfreien bevorrangten Fahrradstraßen, abschnittsweise fortgesetzt durch beschattete autofreie Wege bzw. Radwege und mittelfristig wird auch stellenweise die Hauptfahrbahn adaptiert. An vielen Abschnitten wird so eine dritte Baumreihe pro Straßenseite möglich, wie das schon in einigen autofreien Abschnitten der Fall ist.
Der Radverkehr auf den Fahrradstraßen/Radwegen innen und außen auf der Ringstraße ist ähnlich wie bisher als Hauptradroute bevorrangt gegenüber niederrangigen Seitengassen, an größeren Knoten findet die Querung ampelgeregelt statt. Der öffentliche Verkehr kann seine überfüllten Haltestellen endlich ausbauen. Inzwischen entstehen Verweilinseln und viel Grünfläche. Das ist die mittelfristige Radlobby-Vison für die Ringstraße.
Das mittelfristige Prinzip
Der sogenannte äußere und innere "Ring-Radweg" soll als Fahrradstraßen und autofreie Radwege anstelle der heutigen Nebenfahrbahnen geführt werden. Hier eine Prinzipskizze aus einem ausführlichen englischsprachigen Artikel von Mark Wagenbuur.
So könnte der Ring schon bald aussehen
Diese Radverkehrsführung in Fahrradstraßen und Radwegen in den Nebenfahrbahnen ist auf weiten Teilen der Ringstraße innen und außen realisierbar. An den wenigen Stellen wo das nicht möglich ist braucht es an die Situation angepasste Lösungen, die die Hauptfahrbahn miteinbeziehen.
Durchgezogene Alleen statt ampelloser Bypässe
Rund um die Ringstraße werden die ampellosen Bypässe zwischen Haupt- & Nebenfahrbahn entschärft. Die zwei Alleen werden durchgezogen, neue Bäume können gepflanzt werden. Die unfallbehaftete Reiterallee (heute meist gemeinsamer Geh- & Radweg) wird zur sicheren kreuzungsfreien Verkehrsfläche zwischen den größeren ampelgeregelten Kreuzungen. Einige Vorbilder dafür gibt es schon wie bei der Fichtegasse (innen), der Goethegasse oder seit 2023 auch auf Höhe der Akademiestraße/Ringstraßengallerien.
Zwei Fahrradstraßen in den Nebenfahrbahnen
Auf weiten Strecken der Ringstraße werden die Nebenfahrbahnen zu attraktiven ampelfreien Fahrradstraßen. Der notwendige Kfz-Verkehr zum Zu- & Abfahren bleibt gemäß StVO erlaubt wo dies erforderlich ist. Durch Verkehrsfilter wie Einbahnen, Sackgassen und Diagonalfilter wird eine Kfz-Verkehrsberuhigung auf verträgliches Minimum erreicht. Der Radverkehr in der Nebenfahrbahn ist ähnlich wie bisher als Hauptradroute bevorrangt gegenüber dem niederrangigen Straßennetz. Nur an größeren Kreuzungen findet das Queren weiterhin ampelgeregelt statt.
Schlüsselstellen: Anpassungen Hauptfahrbahn
Nicht überall gibt es Radwege und/oder Nebenfahrbahnen. Wo Hindernisse wie U-Bahn-Ausgänge oder Tiefgaragen-Einfahrten den Raum blockieren braucht es längerfristig Umfahrungsmöglichkeiten durch Anpassungen auf der Hauptfahrbahn und geänderten Schienenverlauf.
Umbaupläne der Stadt Wien 2026-2030
Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) stellte Ende März 2026 gemeinsam mit Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) einen Plan für eine Neugestaltung der Ringstraße vor. Dieser sieht vor, dass im Laufe der aktuellen Legislaturperiode bis 2030 eine Straßenseite der Ringstraße in mehreren Bauphasen und in größeren Abschnitten umgestaltet wird (siehe offizielle "MeinRing"-Infoseite). Die großen Flächen der Nebenfahrbahn werden für die Aktive Mobilität attraktiviert. Vor allem wird man besser zu Fuß gehen können und die Aufenthaltsqualität steigt. Es entstehen auch ein neuer, durchgängig 4,5 Meter breiter Zweirichtungsradweg (2 Meter mehr als bisher), neue Grünflächen und die Allee wird zukünftig exklusiv zum Zufußgehen da sein. Teilweise wird die Nebenfahrbahn auch als Fahrradstraße geführt werden.
In einer ersten Bauphase wird der Schottenring zwischen Schottentor und Donaukanal auf einer Länge von 0,65 km umgestaltet. Die Nebenfahrbahn selbst wird wie oben beschrieben umgestaltet; am Verkehrskonzept insgesamt ändert sich jedoch wenig. An jedem Häuserblock wird weiterhin problematischer Auto-Querverkehr - häufig ohne Ampeln und mit häufigen Vorrangverletzungen - zugelassen.
Weitere Bauphasen sollen bis 2030/31 folgen. Nach der Verbesserung der einen Straßenseite ist laut den präsentierten Plänen die Umgestaltung auf der jeweils anderen Straßenseite geplant. Laut Ulli Sima würde sich eine Verbesserung am Franz-Josefs-Kai als nächster Schritt logisch ergeben, wenn die Ringstraße selbst verbessert wurde. Dies wurde mit “vermutlich realistischerweise in der nächsten Legislaturperiode” in Aussicht gestellt.
Einschätzung der Radlobby Wien zur geplanten Umgestaltung
Für die Radlobby Wien ist die geplante Neugestaltung der Ringstraße ein - längst überfälliger - größerer Wurf in die richtige Richtung. Wir begrüßen die geplante Umgestaltung und werden weiterhin - in Kooperation mit anderen Interessensvertretungen - Verbesserungsvorschläge einbringen.
Am wichtigsten wäre mehr Verkehrssicherheit durch eine Bündelung der Aus- und Einfahrten für Kfz in die Innenstadt. Weniger motorisierte Querungen reduzieren die vom Autoverkehr ausgehende Gefahr und ermöglichen einen weitestgehend kreuzungsfreien Verkehrsfluss auf Rad- und Fußwegen sowie für die Straßenbahn. Das hat sich schon bisher auf größeren Abschnitten der Ringstraße bewährt. Weniger Standorte für Zufahrtskontrollen hieße auch deutlich geringere Kosten.
Auch Problemstellen auf der zweiten Straßenseite des Rings sollten verbessert werden, damit zwei hochrangige Radverkehrsanlagen entstehen. Wo Hindernisse wie U-Bahn-Ausgänge oder Tiefgaragen-Einfahrten den Raum blockieren, braucht es längerfristig Umfahrungsmöglichkeiten durch Anpassungen auf der Hauptfahrbahn und geänderten Schienenverlauf. Die Radlobby-Vision der fahrradfreundlichen Ringstraße finden Sie oben auf der Seite beschrieben.
Rückschau
Foto-Flashmob am Autofreien Tag
Am Autofreien Tag 22.9.2016 fand eine Foto-Aktion der Plattform "Autofreie Stadt" zur Europäischen Mobilitätswoche statt. Vor dem Parlament wurde der Flächenverbrauch der verschiedenen Verkehrsmittel live dargestellt. Motto: "Auto-Platzverschwendung am Ring zeigen!"
DI Dr. Harald Frey vom TU Wien Institut für Verkehrswissenschaften bestätigt die Radlobby-Sichtweise: "Die Bedeutung der Ringstraße als Flanierzone und innerstädtischer Boulevard wird in ihrer derzeitigen Gestaltung nur unzureichend berücksichtigt. Die derzeitige Flächenaufteilung zwischen Rad- und Fußverkehr führt zu Konflikten und wird den geforderten Qualitäten für den Umweltverbund nicht gerecht."
Weltweiter Trend: Autofreie Städte
Zum zehnten Mal sollte heuer die Veranstaltung "Rasen am Ring" am internationalen Autofreien Tag 22.9. die Wiener Ringstraße in eine Picknickwiese verwandeln. Die Veranstalterplattform "Autofreie Stadt" gibt heuer den Ball für die Verkehrswende am Ring an das zuständige Verkehrsressort der Stadt Wien und Vizebgm. Vassilakou weiter und fordert "Ring Frei" an Sonntagen.
Viele internationale Vorbilder zeigen den politischen Gestaltungswillen für mehr Lebensqualität und weniger motorisierten Verkehr: Paris macht die Champs-Élysées sonntags autofrei, Brüssels Innenstadt feierte soeben Autofreien Sonntag und Oslo wird 2019 dauerhaft autofrei. Sogar New Yorks Stadtregierung ruft seit 2008 zu autofreien Summer Streets auf. Die Bilderserie unten zeigt weitere Beispiele von Bogota bis Montreal.
"In diese illustre Runde könnte sich Wien einreihen - mit Ring Frei am Sonntag! Die Stadtregierung sollte den Ring an Sonntagen den Menschen zur Verfügung stellen, ohne motorisierte Platzvergeudung", fordert Axel Grunt von der Plattform "Autofreie Stadt". Nun wird der Forderung Nachdruck verliehen, indem die Plattform ihre beliebte und umstrittene Veranstaltung "Rasen am Ring" im 10. Jahr für beendet erklärt: "Nun ist die Stadt an der Reihe, am Autofreien Tag für entsprechende Aktionen zu sorgen, die dem internationalen Motto der Europäischen Mobilitätswoche gerecht werden."