Politische Blockaden von Radwegverbesserungen

Künstlerhaus Geh&Radweg

Zwei wichtige Routen in Floridsdorf und in der Inneren Stadt sollen zeitgemäß mit neuen Radwegen ausgebaut werden. Nebeneffekt: Sobald das Wort "Radweg" darin vorkommt, melden sich reflexartig einige wütende Radweg-Gegner zu Wort. Wir unterstützen die Errichtung von guten Radwegen in der Brünner Straße und am Karlsplatz und zeigen die Hintergründe der beiden Projekte auf.

Schauplatz eins

ist die Friedrichstraße zwischen Karlsplatz und Künstlerhaus im ersten Bezirk. Hier verläuft eine der wichtigsten Radrouten Wiens und hier quert auch die Rad-Langstrecke Süd. Entlang dem Künstlerhaus wird hier der Radverkehr am Gehsteig geführt. Im Jahr 2007 wurde hier durch Gehsteigbemalung ein Geh- & Radweg eingerichtet, der über den Kunstplatz führt. Er befindet sich zwischen U-Bahnausgängen und dem stark frequentierten Künstlerhaus und ist daher dringend verbesserungsbedürftig.

Durch den geplanten Umbau wird der Straßenraum gerechter genutzt. Flächen für Fußgänger werden mehr als verdoppelt (etwa +110%) und die Effektivität der Radinfrastruktur verdoppelt (Radweg). Gleichzeitig werden Engstellen entschärft und eine bessere Übersichtlichkeit erreicht. Dieser Zugwinn für alle ist möglich, indem etwa 9% der ehemaligen Fahrbahnen dann besser genutzt werden. Das ist wie am Getreidemarkt gut verträglich, denn städtische Verkehrszählungen offenbaren "hohe Leistungsreserven" (gemeint ist der Durchsatz an Kraftfahrzeugen) der angrenzenden Fahrbahnen.

Künstlerhaus Parkspur
Hier dominieren breite Fahrbahnen und Parkplätze, während sich der Fuß-&Radverkehr hauptsächlich beengt entlang der Häuserzeile abspielt.

Diese kleine und gut verträgliche Veränderung hinsichtlich der Fahrbahnen hat ein paar Lokalpolitiker und die Autolobby erregt. Sobald das Wort "Radweg" vorkommt, arbeiten sie an Presseaussendungen und instrumentalisieren Organisationen, um gegen zeitgemäße Verkehrsplanung zu kampagnisieren.  Der Tenor dieser Akteure: Radfahrer und Fußgänger sollen weiterhin am Gehsteig in Konflikte geraten und die Schieflage in der Nutzung des Straßenraumes solle nicht korrigiert werden.

Die Radlobby Wien begrüßt die geplanten Verbesserungen und erteilt diesen fossilen Blockaden einen Platzverweis. Dringend notwendige Verbesserungen für alle WienerInnen sollten nicht durch einzelne Radweg-Gegner verzögert werden, denn die Vorteile für Bewohner und Verkehrsteilnehmer liegen auf der Hand.

Schauplatz zwei

ist die Brünner Straße zwischen Am Spitz und Katsushikastraße in Floridsdorf. Seit mehr als 20 Jahren laufen hier die Planungen für eine der wichtigsten Verbindungen in Floridsdorf. Nach einigen Wasserrohrbrüchen werden 2018 dort Rohre saniert; eine perfekte Gelegenheit, effizient die Oberfläche zeitgemäß zu gestalten. Gemeinsam mit dem Bezirksvorsteher Georg Papai konnte die Radlobby dort neue ungeschützte Radstreifen verhindern. "„Reine Bodenmarkierungen sehen die Verkehrsteilnehmer nicht positiv, weil es schnell zu einem Kontakt zwischen Autofahrern und Radfahrern kommen kann“, so Papai. Er spricht sich daher für bauliche Radwege aus.

Brünner Straße
Ungeschützte Radstreifen konnten hier verhindert werden. Radlobby und Bezirksvorsteher befürworten gute Radwege.

Obwohl die Straße in die Zuständigkeit der Stadt Wien fällt (hier verlaufen Hauptradroute, Straßenbahnlinie und Hauptstraße B) inszenieren einige Lokalpolitiker  eine Unterschriftenliste. Sie wollen nicht, dass die Straße gemäß den wichtigen Funktionien für den Fließverkehr genutzt wird. Es sollen beidseitig abgestellte Fahrezeuge den Straßenraum verengen und dafür besonders schmale (nur 1m exkl. Schutzstreifen) oder gar keine Radwege angelegt werden, so die fossilen Vorschläge. Andere Lokalpolitiker sind da schon weiter und begrüßen den Lückenschluss.

Die Radlobby Wien hält fest: Die Brünner Straße ist im genannten Bereich etwa 26 Meter breit. Diese Breite bietet ausreichend Platz für eine Erfüllung ihrer Verkehrsfunktionen in hoher Qualität, wenn richtig umgesetzt: Breite Gehsteige befördern den Fußverkehr und fördern die Geschäftsstraße, 2m breite Radwege (exkl. Schutzstreifen) erfüllen die Hauptradrouten-Funktion, Fahrstreifen für (Kraft)Fahrzeuge und der freie Gleiskörper sind gleichzeitig nebeneinander problemlos möglich.

Der Wunsch von Bezirksvorsteher Papai neben klassischen Radweg-Gegnern, die Straße durch neu anzulegende Parkplätze künstlich zu verschmälern steht in geradezu kroteskem Widerspruch zu den Funktionen der Brünner Straße.

So viele Nutzungen erlaubt die breite Brünner Straße
So viele Nutzungen erlaubt die breite Brünner Straße, Querschnittskizze

Die Radlobby Wien fordert die Stadt Wien auf, die neue Brünner Straße so umzusetzen, dass sie den Verkehrsfunktionen gerecht wird. Breite Gehwege, Radwege und eine gute Abwicklung von öffentlichem Verkehr sowie Kraftfahrzeugen (Hauptstraße) sind die Maßstäbe der Gegenwart an dieser Stelle.

Zusatz: Weder eine Neuerrichtung von Radwegen auf Kosten der Gehsteige oder gar 1m schmale Radwegen (exkl. Schutzstreifen) entsprechen dem Fachkonzept Mobilität und wären Befunde von veralteten Planungsprinzipien im Bezirk und in der Stadt.