Rotenturmstraße muss sicher werden!

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Die Mariahilfer Straße ist seit Ihrem Umbau zur Begegnungszone im August 2015 so sicher wie noch nie - bis zu 80 Prozent weniger Unfälle. Die innerstädtische Rotenturmstraße ist prädestiniert für einen Umbau zur Begegnungszone, um die Gefahrenstellen zu beseitigen – dennoch bewegte sich diesbezüglich seit Jahren nichts. Nun gibt es Hoffnung.

Zustand nicht zeitgemäß

Der Rotenturmstraße haftet noch die Verkehrsorganisation des letzten Jahrtausends an: Die schmalen Gehsteige an der Hauswand stehen in krassem Gegensatz zu der teils neun Meter überbreiten Fahrbahn mit Dooring-Gefahr. Die Rotenturmstraße ist ein Paradebeispiel dafür, wie verparkte schmale Innenstadtstraßen die Sicherheit und Nutzungsqualität für Menschen einschränken: Menschen zu Fuß und am Rad haben insgesamt derzeit zu wenig Platz. Zusätzlich wird das Radfahren hier erschwert: Eine Einbahnregelung verursacht Umwege und schränkt die Erreichbarkeit ein.

Die Rotenturmstraße ist seit bald 20 Jahren städtische Hauptradroute zwischen Lugeck und Stephansplatz und bedarf dringend einer Einbahnöffnung. Sie sollte besonders in diesem Bereich, aber auch vom Schwedenplatz beginnend in beide Fahrtrichtungen mit dem Fahrrad befahrbar sein.
Geling dies nicht, so wird es notwendig sein, diese Barriere mittel einer Fahrradstraße Bäckerstraße (O-W-Cityquerung, derzeit Wohnstraße mit Schrittgeschwindigkeit) effizient umfahren zu können.

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Unverhältnismäßig ist die Raumverteilung auch anhand der Verkehrsstärken im Vergleich zum tatsächlichen Nutzen: Den täglichen etwa 3.000 Kfz stehen zwanzig Mal so viele FußgängerInnen - 60.000! - gegenüber. Damit ist die Rotenturmstraße auch laut Verkehrsplaner Harald Frey von der Technischen Universität Wien gut geeignet für eine Begegnungszone als Minimalanforderung.
Der Grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch kündigte bereits 2015 eine Begegnunsgzone an, die Unfälle der letzten Jahre unterstreichen die Wichtigkeit einer zeitgerechten Adaption. Dennoch kam die Verbesserung der Rotenturmstraße bisher nicht vom Fleck. 

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Dringender Handlungsbedarf

Die Radlobby Wien & Radlobby Innere Stadt  bestätigen: Für eine zeitgemäße Rotenturmstraße braucht es eine Mischverkehrsführung der Fahrzeuge mit möglichst wenig Kfz-Verkehr. Die niveaugleiche Gestaltung zu Gunsten des Fußverkehrs gehört hier ebenso dazu wie die Möglichkeit, in beide Richtungen Fahrrad zu fahren. Eine Begegnungszone oder Fußgängerzone bietet sich an.

Mit dem Instrument der Begegnungszone sieht die StVO Novelle 2013 die Einführung von möglichst niveaugleichen Verkehrsflächen für alle Verkehrsgruppen (Kfz, ÖV, Rad, Fußgänger) zur gleichberechtigten Nutzung bei max. 20 km/h (oder 30 km/h) vor. 
Damit das funktioniert lautet das Motto: Rücksicht nehmen!
Begegnungszonen sind, neben Tempo 30 – Zonen, Fußgängerzonen und Wohnstraßen eine Maßnahme zur Kfz-Verkehrsberuhigung bei gleichzeitiger Steigerung der Lebensqualität. Man kommt zu Fuß, am Rad oder im öffentlichen Verkehr auch besser voran.

Hoffnung

Die Wiener Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin Maria Vassilakou möchte die die Umgestaltung in eine Begegnungszone vorantreiben und vergab via Ausschreibung einen Planungsauftrag an ein Büro. Die erste Bau-Etappe sollte ursprünglich schon heuer starten. Aufgrund der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs im zweiten Halbjahr, die eine Bausperre nach sich zieht, muss das Projekt aber warten.
Geht es nach Vassilakou, soll an den Bereich künftig eine niveaugleich gestaltete Rotenturmstraße – ohne Trennung zwischen Gehsteig und Fahrspur – anschließen. Auf der entstehenden Fläche entlang der Gastro- und Einkaufsmeilesollen, wie beim großen Vorbild Mariahilfer Straße, Fußgänger, Auto- und Radfahrer gleichberechtigt unterwegs sein. Ladezonen, Taxi- und Behindertenstellplätze müssten in der rund 400 Meter langen Begegnungszoneextra markiert werden.
Keine Pflicht, aber auch nicht ausgeschlossen, ist aus ihrer Sicht eine finanzielle Beteiligung der Kaufleute. „Wenn die Bereitschaft besteht, würde das das Projekt erleichtern und beschleunigen.“ Als die Herrengasse im ersten Bezirk 2016 zur Begegnungszone umgebaut wurde, hatten die Eigentümer der angrenzenden Liegenschaften mit über fünf Millionen Euro den Löwenanteil der Projektkosten getragen.

Umbaupläne

So sieht das veröffentlichte Rendering zur Neuplanung aus. Am 3. Dezember gibt es eine Bürgerinformationsveranstaltung zur Umgestaltung der Rotenturmstraße in der Aula der Wissenschaften.

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