Fietsen in Linz: Eine Holländerin und die Vision Fahrradstadt Linz

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Was passiert, wenn eine Holländerin einen Freund hat, der in Linz an der JKU studiert? Sie fährt - wie in ihrer Heimatstadt Zwolle üblich - auch hier alle Wege mit dem Fahrrad und hat durch die Erfahrungen aus der Heimat eine eigene Sicht auf die Linzer Radinfrastruktur. 

Linz hat seit 2019 eine Klimastrategie und vor kurzem beschloss der Gemeinderat auch eine Fahrradstrategie. Bürgermeister Klaus Luger will Linz zur Klimahauptstadt machen, Vizebürgermeister Martin Hajart hat für die Mobilitätswende den Weg zur Fahrradstadt Linz ausgerufen. Internationale Vorbilder sind da eine gute Möglichkeit dazuzulernen.

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Diskussion vor der Radausfahrt zum Lokalaugenschein: Eline Alferink vom Fietsersbond Zwolle gemeinsam mit der Radfahrbeauftragten der Stadt Linz, Anja Weilguni und Mitgliedern der Radlobby Linz (Foto: Radlobby Linz)

So kam es Ende Mai 2024 zu einer gemeinsamen Radausfahrt der Niederländerin Eline Alferink vom Fietsersbond Zwolle mit der Radfahrbeauftragten der Stadt Linz, Anja Weilguni und den Mitgliedern der Radlobby Linz. Die niederländische Provinzhauptstadt Zwolle hat ca. 123.000 EinwohnerInnen, der Fietsersbond ist die Interessenvertretung der Radfahrenden des Landes.

Die Route in Linz führte vom Neuen Rathaus in Urfahr über die Reindlstraße zur Eisenbahnbrücke, von dort zur Gruberstraße und weiter zur Lederergasse, der als Klimaachse bezeichneten Verbindung vom Hauptplatz zum Hafen. Dort zeigte sich Linz von seiner besten Fahrrad-Seite, es machte Spaß den neuen Radhighway in der Stadt zu befahren. Leider endete dieser aber vor der viel befahrenen Kaisergasse, wobei der Gast aus Holland über „die hohen Geschwindigkeiten in der Stadt“ und die zweispurigen Kfz-Fahrbahnen überrascht war. Auch empfand sie “die Fahrbahnen für den motorisierten Verkehr überdimensioniert” und bemängelte, dass Radwege oft an den Rand der Straße gedrängt würden. Konflikte mit FußgängerInnen seien so vorprogrammiert. 

Video vom Lokalaugenschein: Fietsen in Linz! (Video: Radlobby Linz)

Die Gruberstraße mit ihrer breiten Platanenallee hat neben einem schmalen Radweg auch gut beschattete und ruhige Nebenfahrbahnen zu bieten, diese seien „ideal für Fahrradstraßen“, war der Tenor aus Holland. Es gehe nicht nur um eine bauliche Trennung, sondern auch um die Aufenthaltsqualität am Radweg: Eine größere Distanz zum motorisierten Verkehr und Beschattung durch Bäume sind Faktoren, durch welche die Freude am Radfahren erhöht werden kann.

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Schattige Nebenfahrbahnen wie hier in der Gruberstraße bieten sich als Fahrradstraßen an. (Foto: Radlobby Linz)

Eine weitere Möglichkeit, den Radverkehr als Mobilitätsform in der Stadt attraktiver zu machen, sind auf RadfahrerInnen ausgerichtete Ampelschaltungen. Eine grüne Welle für RadfahrerInnen würde sich für eine Klimahauptstadt geradezu anbieten. Dadurch sei es für Radfahrende möglich, „im Flow“ zu bleiben und schnell und sicher von A nach B zu gelangen. 

Die Radfahrbeauftragte der Stadt Linz Anja Weilguni ist Alltagsradfahrerin und erfolgreiche Triathletin und kennt gerade auch aus dem Sport die Notwendigkeit „einen langen Atem zu haben“. Sie gab bei der Besichtigung Einblicke in aktuelle und zukünftige Projekte. Anja Weilguni ist zuversichtlich, dass es mit der neuen Linzer Fahrradstrategie und deren schrittweiser Umsetzung gelingen wird, Radfahren auch hierzulande zu einer sicheren und attraktiven Mobilitätsform zu machen. 

Das freut die Radaktivistin Eline aus den Niederlanden, denn ihr Freund möchte aufgrund der Liebe zu den Bergen in Österreich bleiben. Zukünftige Kinder würde das Paar gerne auch in Linz mit dem Fahrrad in die Schule fahren lassen, recht bald schon selbständig, so wie das in den Niederlanden üblich ist.

In einer Klima- und Fahrradstadt Linz wird dies möglich sein. 

Und von einer menschengerechten Stadt profitieren auch das Linzer Klima und die Lebensqualität der Linzerinnen und Linzer.

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Lokalaugenschein: Michael Schrank und Thomas Hofer (Radlobby Linz), Eline Alferink (Fietsersbond Zwolle), Anja Weilguni (Radfahrbeauftragte der Stadt Linz) (Foto: Radlobby Linz)


Medienservice


Über den Verein Radlobby Linz

Der Verein Radlobby Oberösterreich hat seinen Ursprung in Linz und setzt sich mit einer engagierten Linzer Gruppe seit 1979 vor allem im Großraum Linz für bessere Bedingungen für das Radfahren ein. Der Titel der ersten Vereinszeitschrift lautete "In Linz beginnt's!" und zeigte die Dreifaltigkeitssäule am Hauptplatz.

In den letzten Jahren wurde  zahlreiche große und kleine Gemeinde- und Regionalgruppen in ganz Oberösterreich gegründet. Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinsarbeit besteht nun in der Unterstützung der Interessen dieser Regionalgruppen.

Angesichts stetig wachsender Mitgliederzahlen und der Tatsache, dass rund die Hälfte der Vereinsmitglieder in der Landeshauptstadt wohnen, wurde von der Linzer Gruppe im Jahr 2024 ein eigener selbständiger Verein gegründet. So können wir den Bedürfnissen und Interessen unserer Mitglieder in Linz noch besser gerecht werden.