Forschungsprojekt: Migrantinnen erobern das Rad

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In Österreich schwingen sich immer mehr Menschen aufs Rad. Migrantinnen aus Nicht-EU-Ländern nehmen an dieser Entwicklung im unterdurchschnittlichen Maß teil. Warum? Gibt es in dieser Zielgruppe Interesse am Radfahren und wie kann es gefördert werden? Diese Fragen wurden im Projekt “Migrad“ von einem Team der IHS, Radlobby Wien, Caritas und Fem Süd gestellt.

Wer als Kind nicht radfahren lernt

Migrantinnen aus Nicht-EU-Ländern sind öfter mit Barrieren konfrontiert, die es ihnen erschweren Radfahren zu lernen oder als Erwachsene weiter zu betreiben. Dabei sind sozio-ökonomische und kulturelle Faktoren eng verwoben – zum Beispiel wenn sich eine Familie nur ein Rad leisten kann und dieses nur für die männlichen Familienmitglieder vorgesehen ist. So haben rund zwei Drittel der 45 interviewten Migrantinnen aus Nicht-EU-Ländern Radfahren „gar nicht“ oder „nie richtig“ erlernt.

Mit dem neuen Lebensumfeld ergeben sich für die Frauen in Bezug auf das Radfahren einerseits neue Chancen, andererseits wirken durch ihre Familien und ethnischen Communities weiterhin starke Barrieren. Daher ist nicht zu erwarten, dass sie sich in nennenswerter Zahl biografisch verschüttete Bedürfnisse Rad zu fahren freischaufeln, um allein das Radfahren zu erobern. Es erscheint aber erfolgversprechend, die latenten Radbedürfnisse dieser Frauen gezielt zu adressieren.

Träume gehen in Erfüllung

In den Niederlanden werden schon seit über 20 Jahren Projekte zur Förderung von Migrantinnen entwickelt, die Radfahren wollen. Meist geht es darum zu ermöglichen das Radfahren zu erlernen. Die Erfolge internationaler Good Practices sowie die teilnehmenden Beobachtungen bei Radkursen der Radlobby Wien belegen, dass sich in derartigen Kursen lang gehegte Träume des Radfahrens rasch erfüllen. Wenn Migrantinnen einen solchen Kurs besucht haben, werden die erlernten Ergebnisse jedoch meist nicht sofort in ihrer Alltagsmobilität wirksam.

Das Projekt „Migrad“ belegt in diesem Zusammenhang, dass die bisher organisierten Radkurse ergänzt werden sollten. Für statistisch nachweisbare Effekte bei der Radmobilität von Migrantinnen braucht es Zeit und eine spezifische Förderung, die eine größere Gruppe an Migrantinnen adressiert. Für nachhaltige Erfolge ist eine mehrstufige Förderung notwendig, bei den analysierten Chancen und Barrieren ansetzt und sowohl bewusstseinsbildende Maßnahmen als auch die Vermittlung praktischer Radkompetenzen beinhaltet.

Die vollständige Version des Forschungsberichts gibts hier zum Download:

 

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