Citybike droht das Aus

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Die Wiener Citybikes mit ihren 121 Stationen gibt es seit 2003. Wien war damals weltweit Vorreiter, viele Städte übernahmen das vorbildliche System. Die Citybikes waren da, lange bevor 2018 die stationslosen Leihräder der asiatischen Anbieter Obike und Ofo, sowie Donkey Republik aus Kopenhagen die Stadt überfluteten. Und blieben, nachdem die Stadt Wien strenge Regeln eingeführt hatte und die Free Floating Flotten quasi über Nacht wieder verschwunden waren. Doch jetzt droht auch dem beliebten Wiener Leihradsystem das Aus. 

Zuverlässig und beliebt

Das Erfolgsmodell Citybike Wien nahm im Mai 2003 in Wien seinen Anfang. Seitdem wird es laufend weiter entwickelt und in die ganze Welt exportiert. In 57 Städten in 13 Ländern Europas und des asiatisch-pazifischen Raums gibt es bereits Systeme wie Citybike Wien; sie werden von Millionen von Menschen genutzt.

Am 22. Oktober 2019 wurde ein neuer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Citybike Wien erreicht: 10 Millionen Fahrten waren absolviert!
Dabei wurden über 33 Millionen Kilometer mit den Citybikes zurückgelegt. Verglichen mit der sonst in Wien üblichen Verkehrsmittelnutzung ("Modal Split") ergibt sich daraus eine Einsparung von etwa 1.950 Tonnen CO2 lt. CityBike Wien

Ausbaubedarf seit 2018

oBike und Ofo zogen sich 2018 aus Wien zurück – noch bevor die neuen Regeln für derartige stationslose Leihräder in Kraft getreten waren, Donkey Republik folgte im März 2020. Seit 2003 läuft das bewährten Citybike Wien – zu Beginn mit nur drei Verleihstationen. In den folgenden Jahren wurde das Leihradsystem bis 2015 auf 121 Stationen mit rund 1.500 Fahrrädern vergrößert und modernisiert. Dann stockte der Ausbau. Wien hat 2020 daher so wenig Leihräder wie zuletzt im Jahr 2015. Die Radlobby Wien sieht das Citybike als wichtigen Teil des öffentlichen Verkehrs in Wien und empfahl bereits 2018, endlich den aufgeschobenen Ausbau vorzunehmen. 

Radlobby-Sprecher Roland Romano: "Das beliebte Wiener Citybike bewährt sich. Vor fünf Jahren wurde der Ausbau der Citybike Stationen aber gestoppt. Die Hoffnung der Wiener Stadtregierung, den Ausbau an die Privatwirtschaft auslagern zu können, hat sich nicht bewährt. Es braucht jetzt den Beschluss zum lange verschobenen Ausbau des Citybike-Systems. Die Radlobby empfiehlt eine Verdoppelung der Stationen in den nächsten fünf Jahren und eine Modernisierung des Systems."

Vergleicht man das Citybike mit erfolgreichen Leihradsystemen in anderen Städten, so liegen diese Maßnahmen auf der Hand. Der Großteil davon ist zur Verdichtung des Netzes notwendig, ein Teil für die Erweiterung in Außenbezirke. Die Modernisierung soll Geschwindigkeit, Kompatibilität und Komfort des Systems erhöhen. Die Nutzungszahlen von Citybike sprechen für sich (siehe Grafik). Mit jedem Kilometer leisten die NutzerInnen einen wichtigen Beitrag zum innerstädtischen öffentlichen Verkehr.

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NutzerInnenzahlen des bewährten Citybike Wien

Gewista droht mit Rückzug

Nun hat die Gewista der Stadt mit einem Rückzug noch vor dem Sommer gedroht. Es geht um die Übernahme von Kosten der Gewista durch die Stadt Wien in der Höhe von 1,1 Millionen Euro pro Jahr. Auf dem Spiel stehen jene 61 Stationen in der Wiener Innenstadt, die von der Gewista gemeinsam mit Sponsoren errichtet und bis heute betreut werden. Für sie trägt das Unternehmen die laufenden Kosten selbst. Neben der Instandhaltung fällt darunter etwa die Verteilung der Räder von vollen zu leeren Stationen. Weitere 60 Stationen fallen in das Budget der Stadt. Sie gibt rund 0,86 Mio. € im Jahr dafür aus.

Politik für Citybikes

"Mit ihren fixen Leihstationen hat die Gewista eine Monopolstellung, trotzdem bedroht ein Streit über die Finanzierung das allseits beliebte Verkehrsmittel", heißt es dazu von den Neos gegenüber dem STANDARD. Sie fordern eine faire Ausschreibung. Das Konzept müsse "von Grund auf überarbeitet werden". Um das Angebot attraktiver zu machen, brauche es "eine App anstatt der veralteten Bildschirme an den Leihstationen sowie bessere Räder", so Bettina Emmerling von den NEOS.

Der Verkehrssprecher der FPÖ Wien, Toni Mahdalik, appelliert an die Stadt, "den Betrieb der Leihräder weiter sicherzustellen". 

Die Gewista will sich zu der Thematik nicht äußern. Aus dem Büro der zuständigen Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) heißt es vorerst nur: "Es gibt Gespräche." 

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125 Stationen für öffentliche Leih-Fahrräder

Die vorhandenen Stationen für öffentliche Leihräder von Citybike Wien decken derzeit nicht das gesamte Stadtgebiet ab und sind mit durchschnittlich 700m zu weit voneinander entfernt. Transporträder fehlen ebenfalls im Citybike-System.

Daher fordert die Radlobby Wien mit der Petiton Platz für Wien, bis 2025 jährlich 25 neue Leihrad-Stationen zu errichten und damit die heutige Anzahl zu verdoppeln.

  • Verdichtung und Ausweitung mit Priorität bei Öffi-Haltestellen
  • Bestückung mit neuen, zeitgemäßen Rädern
  • Einbindung von Lastenrädern ins Leihsystem

Die bessere Abdeckung durch Citybikes – wie in anderen europäischen Städten schon verfügbar – macht Leih-Fahrräder für mehr Personen und mehr Arten von Fahrten zu einer attraktiven Alternative für Wege oder als Zubringer zum öffentlichen Verkehr.

HIER können Sie die Forderungen unterschreiben. 

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