Die Alserbachstraße wird gerade fahrradfreundlich umgebaut und erhält bis Ende 2025 einen neuen, baulich getrennten Zweirichtungsradweg. Doch dieser endet leider abrupt an der Friedensbrücke. Auf der anderen Seite, in der Brigittenau, fehlen die Ausbaupläne nach wie vor. Damit bleibt die wichtigste Radverbindung zwischen Alsergrund und Brigittenau weiterhin unvollständig. Diese Verbindung ist seit 1994 als Hauptradroute zwischen Bezirk und Stadt Wien vereinbart. Das sind über 30 Jahre Stillstand. Doch dafür gibt es derzeit keine Umsetzungspläne. Stattdessen bleibt der Autoverkehr mit zwei Spuren bestehen. Eine vertane Chance für sicheres und attraktives Radfahren über die Bezirksgrenze hinweg.
Die Radlobby Brigittenau fordert daher einen echten Brückenschlag – im doppelten Sinn. Über die Friedensbrücke soll endlich ein durchgängiger, sicherer Radweg geschaffen werden, der Alserbachstraße und Wallensteinstraße verbindet. Nur so entsteht eine lückenlose Verbindung vom Währinger Gürtel bis zum Nordwestbahnhof und weiter nach Floridsdorf. Diese Strecke hat das Potenzial, zur zweiten wichtigen Donauquerung für den Radverkehr zu werden, vergleichbar mit der Radschnellverbindung Nord.
Wie eine sichere Infrastruktur auf der Friedensbrücke aussehen kann, zeigte die Radlobby Wien bereits im vergangenen September mit der Aktion Teddybär für Radverkehr. Kinder und Erwachsene konnten dabei den nördlichsten Fahrstreifen der Brücke befahren. Stofftiere markierten symbolisch den geschützten Raum für Radfahrende und machten sichtbar, wie einfach sich Sicherheit schaffen lässt, wenn Platz gerechter verteilt wird. Die Aktion zeigte die Notwendigkeit von baulich getrennten Radwegen auf der zentralen Verbindung zwischen den Bezirken.
Platz für Wien, die Initiative für eine klimagerechte, verkehrssichere Stadt mit hoher Lebensqualität, deren Petition von 57.760 Unterstützer*innen unterzeichnet wurde, demonstrierte im Jahr 2021 auf der Wallensteinstraße für Verbesserungen.
Trotzdem bleibt die Situation unverändert. Bei einer gemeinsamen Befahrung im Sommer 2025 von Verkehrsstadträtin Ulli Sima und der Radlobby für das Fahrradmagazin Drahtesel räumte die Stadt ein, dass die Wallensteinstraße eine große Lücke im Hauptradverkehrsnetz ist und ein Problem, das schon lange bekannt ist. Dennoch wurde kein konkreter Zeitplan genannt. Dabei wird mit dem neuen Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof bald zusätzlicher Verkehr entstehen. Für die rund 16.000 neuen BewohnerInnen wäre eine sichere Radverbindung zur Innenstadt essentiell.
Laut den Richtlinien für den Radverkehr (RVS Radverkehr, Punkt 6.1) sind bei Straßen mit Tempo 50 und mehr als 5.000 Kfz pro Tag baulich getrennte Radwege vorgeschrieben. Auf der Wallensteinstraße fahren schon heute rund 7.600 Autos täglich, aufgrund der Stadtentwicklungsgebiete werden es voraussichtlich künftig noch deutlich mehr. Die derzeitige Führung des Radverkehrs auf engen Mehrzweckstreifen ist gefährlich und unzeitgemäß. Ohne baulich getrennte Radwege verschlechtert sich die Situation für Radfahrende zunehmend.
Letztes Jahr führte die erste überparteiliche parlamentarische Radtour durch die Wallensteinstraße. Unter den anwesenden Abgeordneten und Fachleuten aus der Fahrradbranche wurde die Straße als Negativ-Beispiel für fehlende Radinfrastruktur intensiv diskutiert. Radlobby Wien-Sprecher Romano über die Straße „Radfahrende in Wien kontaktieren uns regelmäßig bezüglich der Wallensteinstraße. Radfahren fühlt sich für viele hier sehr unsicher an. Es liegt in der Zuständigkeit und Verantwortung der Stadt Wien, solche Lücken im Hauptradnetz zu schließen.“
Die Lösung liegt auf der Hand: Eine bessere Platzverteilung schafft Platz für Radwege und Baumpflanzungen. Es gilt sowohl die Straßenbahn als auch das Gehen zu berücksichtigen. Eine solche Neuaufteilung fördert Sicherheit, Lebensqualität und Klimaschutz gleichermaßen. Die Wallensteinstraße ist eine Hauptverbindung, die endlich so gestaltet werden muss, dass alle Menschen sicher unterwegs sein können. Es braucht den durchgehenden Radweg von der Alserbachstraße über die Friedensbrücke bis zum Nordwestbahnhof. Kein weiteres Jahrzehnt der Verzögerung. Keine halben Sachen im Radnetz.