Damit sich alle Menschen sicher und entspannt mit dem Fahrrad durch die Stadt bewegen können, braucht es schützende und alltagstaugliche Radinfrastruktur in Wien. Der bestehende Geh- und Radweg auf der Linken Wienzeile entspricht nicht dem Stand der Technik: viel zu schmal und ohne ausreichenden Sicherheitsabstand zum schnellen Kfz-Verkehr. In dieser Form vollkommen aus der Zeit gefallen. Auf nur 1,80 Meter müssen sich Zu-Fuß-Gehende und Radfahrende in beiden Richtungen einen gemischten Geh- und Radweg teilen, während direkt daneben drei Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr in voller Breite zur Verfügung stehen.
Nadelöhr Linke Wienzeile
Als Teil der Rad-Langstrecke West und im Hauptradverkehrsnetz gelegen sollte diese Hauptroute viel breiter sein. Laut RVS-Richtlinien und den Qualitätskriterien für „Radhighways“ der Stadt Wien sollte auch dieser Abschnitt eine Breite von mindestens vier Metern aufweisen. Nebeneinanderfahren und ein sicheres Überholen sollte möglich sein.
Radfahrende werden hier durch den fehlenden Sicherheitsabstand vom schnellfahrenden Schwerverkehr bei Regen beschmutzt, bei Dunkelheit von entgegenkommenden Autos geblendet. Auch die Kreuzung beim U-Bahn-Ausgang Schönbrunn ist eine provozierte Engstelle: Ein Stangenslalom für Radfahrende und viel zu kleine Aufstellflächen für Fußgänger*innen, die in Richtung Auer-Welsbach-Park queren wollen. Dies schafft Konflikte zwischen der Aktiven Mobilität.
Hier braucht es dringend Maßnahmen um Sicherheit für alle zu schaffen. Eine schnelle Lösung könnte durch Betonleitwände erzielt werden, wie auf dem nach mehreren Aktionen und 15 Jahren Planung kürzlich endlich errichteten Radweg am Neubaugürtel. Mit einer klaren Trennung kann hier schnell Sicherheit für alle Mobilitätsformen geschaffen werden. Dem Autoverkehr stehen weiterhin zwei Fahrstreifen wie im weiteren Verlauf der Hadikgasse zur Verfügung. Der Verkehrsfluss ist damit gleichmäßig gegeben.
Demo für Lückenschluss
Am Autofreien Tag hat die Radlobby Wien gezeigt, wie der Streckenabschnitt an der Wienzeile schnell und effektiv sicherer gestaltet werden kann. Dieser Abschnitt liegt nicht nur im Hauptradverkehrsnetz der Stadt Wien, sondern auch im Radlobby-Basisnetz, welche unsere Vision einer fahrradfreundlichen Stadt abbildet. Zu diesem Zweck wurde der Bereich gegenüber des Auer-Welsbach-Parks, Fahrtrichtung Hadikgasse, genutzt. Mit dem einfachen Mittel von Verkehrsleitkegeln wurde der äußerst linke Fahrstreifen physisch abgetrennt. Der motorisierte Fahrzeugverkehr wurde auf die zwei verbleibenden Fahrstreifen umgeleitet, ohne dass es zu Stauaufkommen kam. Radfahrende konnten den äußerst links gelegenen, abgesicherten Fahrstreifen auf 400 Metern Länge nutzen.
„Normalerweise ist es hier stressig und eng“ sagt eine Radfahrerin, „der temporäre Radweg zeigt, wie schnell diese Engstelle beseitigt werden könnte.“. „So sollte es immer sein.“ meinte ein weiterer Radfahrer. „Das darf kein Pop-Up bleiben.“.
Mehr Stimmen von Radfahrenden vor Ort gibt es hier nachzuhören:
Geht-Doch, Die Initiative für Zu-Fuß-Gehende, begrüßte die Aktion ebenfalls: „Auf dieser wichtigen Mobilitätsachse herrschen schwere Sicherheits- und Komfortmängel für zu Fuß Gehende und Radfahrende. Im Sinne einer zeitgemäßen Lösung soll der Aktiven Mobilität zumindest eine der drei Fahrspuren zugestanden werden um den Rad- und Fußverkehr entflechten zu können! Durch Tactical Urbanism kann das sogar kostengünstig erfolgen und führt zu einer enormen Steigerung von Sicherheit und Komfort.“