Abbiegeassistenten - keine klare Haltung

Lkw - Radfahrer

Bei etwa jedem zehnten Verkehrsunfall mit Lkw-Beteiligung in Vorarlberg ist der so genannte „Tote Winkel“ im Spiel. Abbiegeassistenten helfen, solche Unfälle zu vermeiden. Die EU schreibt diese jedoch erst ab 2022 bzw. 2024 verpflichtend vor – und dies nur für neue Fahrzeugtypen bzw. neue Fahrzeuge. Demgemäß wären in den nächsten Jahrzehnten weiterhin Tausende Lkw ohne Abbiegeassistenten in Vorarlberg unterwegs. Die Radlobby Vorarlberg setzt sich daher für eine frühere Nachrüstung aller Lkw ein.

Einige private Vorarlberger Unternehmen und Gemeinden sowie das Land haben die Relevanz von Abbiegeassistenten erkannt und rüsten Ihre Lkw freiwillig damit nach. Der Bund fördert die Nachrüstung sogar.

Die Radlobby Vorarlberg hat bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) nachgefragt, ob die Interessenvertretung die Nachrüstung mit Abbiegeassistenten bei ihren Mitgliedern aktiv unterstützt und wie es um Bewußtseinsbildung von Lkw-FahrerInnen steht.

Eine Antwort kam von der "Fachgruppe Güterbeförderung", blieb aber sehr vage: Selbstverständlich sei man um Unfallprävention bemüht. Eine Umrüstung von Lkws werde gefördert und würde dieses „Angebot auf […] Fachgruppentagungen und in regelmäßigen Newslettern“ kommuniziert. Bei der Einreichung von Förderanträgen stehe man „mit Rat und Tat zur Seite“. Man schließe sich der Einschätzung der EU-Industriekommissarin an und denke „dass mit diesen Sicherheitsmerkmalen, welche ab 2022 Pflicht sind, die Verkehrssicherheit deutlich gesteigert wird“. Aber: „Nicht zielführend und sinnvoll ist jedoch eine Nachrüstung mit unausgereiften Systemen“, so in der Anfragebeantwortung. Dies bedeute jedoch nicht, dass man die derzeitigen Systeme für unausgereift halte; genauso wenig solle die Antwort bedeuten, dass man die EU-Regelungen für ausreichend halte. Man müsse bedenken, dass Abbiegeassistenten eine zusätzliche Belastung für Lkw-Fahrer darstellen. Dies wiederum solle nicht heißen, dass man Abbiegeassistenten grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe.

Ein klares Bekenntnis zur Notwendigkeit von Abbiegeassistenten ist dies nach Einschätzung der Radlobby Vorarlberg leider nicht.

Zur besonderen Verantwortung von Lkw-FahrerInnen als stärkste VerkehrsteilnehmerInnen – auch etwa zu knappes Überholen ist für Radfahrende gefährlich – wurde erklärt, dass „im Hinblick auf die Verkehrssicherheit auf ein gemeinsames Handeln aller Akteure“ abgezielt werde. Notwendig sei „vermehrte Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, vor allem auch an Schulen und bei der Fahrradprüfung“. Aus Sicht der Radlobby sind Kurse an Volksschulen zwar löblich, haben aber keinen Einfluss auf das Verhalten von Lkw-FahrerInnen. Darauf hingewiesen wurde lediglich betont, dass auch Radfahrende oft nicht StVO-konform unterwegs seien. Die Frage nach Verantwortung wird, so scheint es, eher einseitig gesehen.

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