Direkt zum Inhalt

Radweg am Südring: Eine Insel ohne echtes Netz

Tirol | Submitted on

Der Südring ist eine der am stärksten befahrenen Hauptverkehrsachsen Innsbrucks. Für Radfahrende war ein sicheres Vorankommen hier über Jahrzehnte hinweg kaum möglich. Umso erfreulicher ist es, dass eine langjährige Forderung der Radlobby, die auch im Masterplan Radverkehr 2030 verankert ist, nun endlich umgesetzt wird: Am südlichen Fahrbahnrand wurde die Lücke zwischen der Olympiabrücke und dem Westbahnhof mit einem neuen Zweirichtungsradweg geschlossen. Auch die Neupflanzung von Bäumen, die künftig Schatten spenden werden, ist ein sehr begrüßenswerter Schritt.

So erfreulich dieser Infrastrukturschritt im Ansatz ist, so deutlich zeigt sich in der Praxis: Am Westbahnhof ist Schluss, die Anbindungen Richtung Wilten und Innenstadt fehlen gänzlich und der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Südring Radweg
Copyright: Friedrich Stepanek

Die Schwachstellen im Detail

  • Verbindung ins Zentrum ignoriert: Auf den 460 Metern zwischen Graßmayr-Kreuzung und Westbahnhof münden drei Straßen in den Südring. Eine einzige Querungsmöglichkeit für den Radverkehr sucht man hier jedoch vergebens. Dieser Verzicht ist kein Versehen, sondern hat System: Vonseiten der Stadt verweist man schlicht auf den geplanten Radweg auf der Nordseite. Dass es dabei eine sichere Anbindung braucht, um die Straßenseite zu wechseln um zu zahlreichen Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und Wohnblöcken zu kommen, wird ignoriert. Wer auf der Südseite unterwegs ist, bleibt aktuell vom Zentrum und den angrenzenden Wohnquartieren abgeschnitten.
  • Fehlender Standard bei der Abgrenzung: Die Trennung zwischen Geh- und Radweg erfolgt lediglich durch eine flache, niveaugleiche Bordsteinkante. Bei modernen Radinfrastruktur-Projekten in Österreich ist eine leicht abgesetzte, schräge Kante längst der bewährte Standard. Durch die flache Ausführung steigt das Risiko erheblich, dass Fußgänger*innen unbewusst auf den Radweg geraten und es zu Konflikten kommt. Hier zeigt sich, dass bei der Detailplanung in Innsbruck leider noch die nötige Praxiserfahrung mit zeitgemäßen Standards fehlt.


Beispiel für abgesetzte, schräge Kante in Wien

Abgeschrägte Kante in Wien
Copyright: Mobilitätsagentur Wien/ZoomVP.at

 

Zukunftsnetz Südring: Gesamtkonzept statt Stückwerk gefordert

Dass auf der Nordseite des Südrings ebenfalls ein Radweg geplant ist, ist im Ansatz richtig. Dieser künftige Nord-Radweg darf jedoch nicht als Ausrede genutzt werden, um notwendige Querungen und Anbindungen auf der Südseite schon heute zu verhindern.

Zudem endet die Problemkette nicht am Westbahnhof: Wer weiter Richtung Westen zur Karwendelbrücke oder Freiburger Brücke fahren muss, wird vollkommen im Regen stehen gelassen. Für diesen Abschnitt existiert bis heute keine konkrete Planung. Von einem durchgehenden „Südring-Radweg“ zu sprechen, ist aus unserer Sicht daher stark übertrieben. Was wir aktuell sehen, sind lediglich isolierte Teilabschnitte. Ein echtes Radnetz entsteht erst dann, wenn Lücken konsequent geschlossen werden und eine durchgängige, sichere Führung von Ost nach West mit Anbindungen nach Nord und Süd gewährleistet ist.

Unser Fazit

Wir begrüßen das neue Teilstück am Südring ausdrücklich als wertvollen Impuls für die Innsbrucker Radinfrastruktur. Damit aus einer isolierten Teilstrecke jedoch eine echte, funktionierende Hauptradroute wird, muss die Stadt Innsbruck bei den Anbindungen, den Querungen und der Weiterführung Richtung Westen dringend nachbessern!


Nimmt Bezug auf: Radfahren in Tirol

Tirol - Termine