Einkaufszentren auf dem Prüfstand: Radfahrende willkommen?

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Was unternehmen die Einkaufszentren (EKZ) in Graz und Umgebung für ihre radelnde Kundschaft? Das erhob die Radlobby ARGUS Steiermark von August bis Oktober bereits zum neunten Mal mittels Fragebogen an die Verantwortlichen und eigener Beobachtungen in den Shopping Malls. Ergebnis: Der Citypark liegt - wie auch 2018 - weiter voran.

Immer mehr Menschen setzen für ihre alltäglichen Wege – auch zum Einkaufen – auf das Fahrrad. Verstärkt wird dieser Trend zusätzlich durch die derzeitige Krise; volle Radwege und fast leere Verkaufsräume bei Radhändlern zeugen davon.

Das Prozedere des Einkaufszentren-Radtests hat sich bewährt: Über den Fragebogen werden die Center um ihre Selbsteinschätzung in den Kategorien Radverkehrsanteil, Erreichbarkeit, Radverkehrsführung intern, Abstellplätze und Sonstiges (Service, Reparaturboxen etc.) gebeten. In der Beantwortung zugeknöpft zeigte sich – wie üblich – die Shopping City Seiersberg und diesmal auch das Shopping Nord. Macht aber nichts bzw. ändert das nichts an der Bewertung, die das Team der Radlobby ARGUS Steiermark im Zuge eines Lokalaugenscheins erstellt. In die Gesamtbeurteilung fließen auch Rückmeldungen von radelnden KundInnen ein.

Die radelnde Kundschaft

Der Anteil der radfahrenden Kundschaft wird von den Betreibern mit 7 % bis 9 % geschätzt, den Ausreißer nach oben reklamiert Kastner & Öhler mit 50 % (!) für sich. Wobei hier wohl der Wunsch der Fahrradabteilung bei Gigasport Vater des Gedankens gewesen ist. Positiv gesehen, könnte diese Einschätzung auch als Auftrag an die Verantwortlichen des ehrwürdigen Hauses mit viel Tiefgaragen-Flair gesehen werden, fürderhin auch Radfahrende mit besserer (Park-)Infrastruktur zu verwöhnen. Am unteren Ende findet sich die Shopping City Seiersberg mit einem gefühlten Anteil unter 1 %.

Erreichbarkeit und Radverkehrsführung

Bei der Anbindung ans Radverkehrsnetz hat sich zuletzt wenig verändert – hier ist natürlich besonders die Stadt gefordert. Aber auch die Einkaufszentren selbst können hier Interesse bei der Stadt anmelden. Zu erwähnen sind hier als Schwachstellen etwa die Fabriksgasse beim Citypark, der Sternäckerweg beim Murpark und die wegen zu geringer Breite leider nicht als Geh-/Radweg verordnete Verbindung von der Weblinger Kreuzung zum Center West. Aber auch am jeweils eigenen Areal gäbe es vielfach Optimierungsbedarf: So könnte beim Citypark die Zufahrt von der Fabriksgasse besser sein (etwa durch die Umwandlung eines Ausfahrtsstreifens bei der Tankstelle in einen Radfahrstreifen zum Kreisverkehr) oder die Sicherung der Ausfahrt am Lazarettgürtel. Nach wie vor gefährlich ist die Einfahrt zum Murpark, wenn man vom Sternäckerweg kommt. Beim Shopping Nord fehlt die Radverkehrsführung zum Fachmarktzentrum, in Seiersberg ist eine solche generell gar nicht vorhanden.

Schlüsselfrage Radabstellanlagen

Entscheidend ist nicht nur die ausreichende Anzahl an Abstellplätzen, sondern vor allem der Standort (eingangsnah), Wetterfestigkeit und die Qualität der Anlage. Hier gab es zuletzt kaum Neues, lediglich der Citypark hat einige „Felgenkiller“ durch die bereits bewährten Bügel ersetzt. Die Abstellanlage beim südöstlichen Zugang des Murpark/Interspar ist in der Regel überfüllt und von vorneherein zu knapp bemessen worden  – besonders mit Lastenrad oder Kinderanhänger ist´s da ein Gequetsche. Insgesamt fällt die große Zahl an Abstellanlagen in erschreckend schlechter Qualität auf, was wahrlich nicht sein müsste, wird doch inzwischen von in- und ausländischen Produzenten eine ganze Palette von qualitativ hochwertigen Anlehn- und Einstellbügeln – auch mit Überdachungslösungen – angeboten, die nicht die Welt kosten. Diese Produkte wurden von der Radlobby Österreich bereits vor drei Jahren in einem großen Radabstelltest bewertet und publiziert. Trotzdem findet man nach wie vor Modelle Marke „Felgenkiller“ oder Spiralständer, die nicht nur Fahrräder beschädigen können, sondern auch allesamt keine Möglichkeit bieten, den Fahrradrahmen daran anzuschließen. Hier herrscht großer Nachholbedarf – und das gilt nicht nur für die Grazer Einkaufszentren, sondern allgemein für den Handel.

Service & Goodies

Mit Ausnahme von Kastner & Öhler und Shopping Nord finden sich auf den jeweiligen Webseiten (und auf Flyern von Citypark und Murpark) Hinweise zur Anfahrt per Rad und Servicetipps. Radservice und Schließfächer werden inzwischen überall angeboten, Akku-Ladestationen bei allen außer Center West und Seiersberg, SB-Serviceboxen gibt es im Citypark und Murpark. Die Citypark-Idee vor zwei Jahren, bei Bedarf gratis Regenponchos auszugeben, wurde vom Murpark übernommen und um Gratis-Sattelschoner erweitert. Das Center West organisierte im Vorjahr Radtrainings für Kinder (also für die KundInnen von morgen), ein für heuer geplantes E-Bike-Training für SeniorInnen kam leider coronabedingt nicht zustande. Setzt man diese radaffinen Goodies in Relation zu den Angeboten, mit denen man die motorisierte Kundschaft ins Autokino oder auf X-large-Parkplätze lockt, könnte das Engagement wohl noch ausgeprägter und ideenreicher ausfallen.

Die Reihung 2020 (max. 20 Punkte)

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