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Kinderfreundliche Schulvorplätze

Sie erhöhen die Sicherheit, ermöglichen Kindern eigenständige Mobilität und schaffen Raum für Begegnung, Bewegung und entspanntes Ankommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Eine neue Karte der Radlobby bietet einen Überblick über autofreie Schulvorplätze (aktuell Wien).

autofreier Schulvorplatz aus der Vogelperspektive
Copyright: zwoPK
Kinderfreundlicher Schulvorplatz Stubenbastei, 1010 Wien.

Das Problem der Kfz-„Elterntaxis“

Bei der Schaffung von sicheren Schulumfeldern besteht dringender Handlungsbedarf. Viele Kinder würden gerne den täglichen Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen. Kfz-Verkehr sowie fehlende sichere Geh- und Radverbindungen stehen diesem Wunsch im Weg. Kinderfreundliche Schulvorplätze ermöglichen eine sichere Anfahrt mit dem Fahrrad und ein sicheres Ankommen zu Fuß im direkten Schulumfeld und reduzieren „Elterntaxis“ und die damit verbundenen Gefahren und Unannehmlichkeiten. Aktuell sind jedoch nur wenige Wiener Schulvorplätze dauerhaft autofrei und damit kinderfreundlich gestaltet.

Was ist ein Schulvorplatz?

Ein Schulvorplatz ist der Teil der Straße direkt vor dem Schulgebäude. Als autofreie Schulvorplätze hat die Radlobby jene Standorte definiert, die über keinen Kfz-Verkehr im Straßenabschnitt des Eingangs verfügen. Autofreie Schulvorplätze sind zumeist an Parks oder Platzflächen angebunden, befinden sich in Innenhöfen oder in verkehrsfreien Straßenräumen.

Schulvorplatz Goldschlagstraße, Reinlpark
Copyright: Daniel Dutkowski
Schulvorplatz Goldschlagstraße, Reinlpark

Autofreie Zonen sind kinderfreundlich

Ein Grund, für sogenannte „Elterntaxis“ ist der Mangel an sicheren Geh- und Radverbindungen. Viele Eltern bringen deshalb ihre Kinder aus Sorge um deren Sicherheit mit dem Auto zur Schule. Unglücklicherweise gefährden aber gerade diese „Elterntaxis“ oft selbst die Sicherheit der eigenen und anderer Kinder. Das – mitunter gestresste – Ankommen, Halten, Wenden und Abfahren führt vor vielen Schulen zu Unterrichtsbeginn zu einem erhöhten Kfz-Verkehrsaufkommen und erhöht die Unfallgefahr. Die selbstständige Mobilität von Kindern wurde damit immer mehr eingeschränkt.

Kinderfreundliche Schulvorplatz-Karte

Die Schulvorplatz-Karte der Radlobby (aktuell für Wien) zeigt alle Schulstandorte (goldgelbe Punkte), autofreie Schulvorplätze vor Volksschulen (türkis) und vor Schulen der Sekundarstufe (dunkeltürkis). Ebenso sind die temporären Schulstraßen nach Wiener Modell (orange) eingezeichnet. In der Beschreibung ist die Verkehrsorganisation bzw. Anlageart, spezifische Lage und das Umsetzungsjahr (wenn bekannt) gelistet.

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Insgesamt gibt es in Wien rund 700 Schulen aller Schultypen, davon sind rund 300 Volksschulen. In der Gesamtbetrachtung haben ca. 10% (74 Schulen) bereits autofreie Schulvorplätze.

Mit Stand Jänner 2026 gibt es in Wien:

  • 42 Volksschulen (VS) mit autofreien Schulvorplätzen,

  • 32 Schulen der Sekundarstufe (SEK) mit autofreien Schulvorplätzen,

  • 14 Schulstraßen nach dem Wiener Modell (temporäres Kfz-Fahrverbot zu Schulbeginn und/oder Unterrichtsende).

Bei zwei Schulen am selben Standort (z.B. VS+MS nebeneinander oder gegenüber in einem Straßenabschnitt) wurde nur ein Schulvorplatz zur Gruppe VS gezählt.

Sie kennen weitere autofreie Schulvorplätze in Wien? Dann kontaktieren Sie uns unter https://www.radlobby.at/mitmachen. Wir tragen neue, kindergerecht gestaltete Schulvorplätze gerne in unsere Radlobby-Karte ein.

Radlobby-Analyse

Die Radlobby hat untersucht, wie viele Schulvorplätze in Wien autofrei gestaltet sind und dabei sowohl die bauliche als auch die rechtliche Organisation autofreier Schulvorplätze analysiert. Auch bei der sicheren Fahrrad-Erreichbarkeit der Wiener Schulen sind Mängel festgestellt worden. Trotz des vorhandenen Problembewusstseins und individueller Lösungen sind mit etwa 10% des Gesamtanteils immer noch zu wenige Schulvorplätze autofrei - und somit kinderfreundlich - gestaltet. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam 2025 auch die Plattform Clean Cities, die 36 europäische Städte miteinander verglich. Die Stadt Wien erreichte bei der Gesamtbewertung von Schulstraßen, Temposchutz und sicherer Radinfrastruktur lediglich Platz 13. Nach der Veröffentlichung der Studie reichte die Stadt Wien weitere Daten nach und verbesserte ihre Platzierung auf Rang 5. 

Kinderfreundliche Schulvorplätze erhöhen Verkehrssicherheit

Kinderfreundliche Schulvorplätze verschaffen Kindern Bewegungsfreiheit, eigenständige Mobilität und einen stressfreien Schulbeginn. Autofreie Schulvorplätze sind als Lern-, Begegnungs- und Bewegungsräume auch nutzbar für den Unterricht, Veranstaltungen und Bewegungseinheiten sowie für entspannte Wartezeiten beim Abholen.

Schulvorplätze sind besondere Plätze im öffentlichen Raum. Sie bieten sowohl SchülerInnen und Begleitpersonen als auch AnrainerInnen einen gemütlichen Raum zum Verweilen und Spielen, fördern soziale Kontakte und unterstützen den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern. Außerdem bieten attraktiv gestaltete Schulvorplätze Orientierung und stärken die Identität des Grätzls. Bei einer Umgestaltung ist die Einbindung der Kinder als eine der hauptbetroffenen Zielgruppen essentiell.

Leitfaden: Kindgerechte Schulvorplätze

Um einen Schulvorplatz sicherer, gesünder und damit kindgerecht zu gestalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wie kann Autoverkehr eingedämmt oder ganz vermieden werden? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es, und wie können sich Eltern und LehrerInnen dafür einsetzen? WirMachenWien hat dazu einen Leitfaden entwickelt.

Als schnelle, kostengünstige Übergangslösung sind sogenannte Schulstraßen eine Möglichkeit, um den Platz vor der Schule zumindest temporär vom Kfz-Verkehr zu beruhigen und so mehr Kindern einen aktiven und eigenständigen Schulweg ermöglichen.

Kindgerechter Schulvorplatz vor der Volksschule Schulgasse, 1180 Wien
Copyright: zwoPK
Kindgerechter Schulvorplatz vor der Volksschule Schulgasse, 1180 Wien

Die Radlobby-Vision

Ein attraktives Schulumfeld und sichere Schulwege ermöglichen selbstbestimmte, sichere Kindermobilität ohne Kfz-Elterntaxis – auch abseits der Schulwege. Deshalb fordert die Radlobby seit Jahren die Umsetzung von autofreien Schulvorplätzen:

  • Schulbereiche in Nebenstraßen permanent autofrei halten
  • in Hauptstraßen Temporeduktion und möglichst große Gehsteigverbreiterungen im Eingangsbereich und daran angebundene autofreie Aufenthaltsbereiche in Seitengassen
  • temporär autofreie Schulvorplätze (Schulstraßen) als Übergangslösung
  • attraktive Gestaltung der Schulvorplätze mit Sitzgelegenheiten, Begrünung und Beschattung
  • Fahrrad- und Scooterabstellplätze möglichst nahe am Eingang platziert und in ausreichender Zahl (<30 Meter; mindestens 1 Stellplatz je 5 SchülerInnen)

     

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