Direkt zum Inhalt

Radübungsplätze in Österreich

Selbstständige Mobilität, Fahrradbeherrschung und körperliche Bewegung von Kindern nehmen in Österreich ab, vor allem in Stadtgebieten. Dieser bedauerliche Trend hat negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und Gesundheit, da eine frühe aktive Verkehrsteilnahme für das spätere, sichere Verhalten im Straßenverkehr besonders wichtig ist. Kindern fehlen sichere Orte um Radfahren zu lernen und zu üben sowie kompetente und engagierte Betreuung dabei. Radspielplätze können dem entgegenwirken, daher setzt sich die Radlobby dafür ein.

Radspielplatz Seestadt Aspern, Wien.
Copyright: Christian Bader
Radspielplatz Seestadt Aspern, Wien

Der geeignete Platz zum Radfahren

Bevor Sie sich mit Ihrem Kind erstmals in den Straßenverkehr wagen, sollte an ruhigen autofreien Orten geübt werden. Hier kann Ihr Kind die Geschicklichkeit verbessern und bekommt Routine. Die ersten spielerischen Raderfahrungen sollten auf ruhigen und ebenerdigen Plätzen ohne Hindernisse und ohne großes Gefälle gesammelt werden. Motivierend sind Parks oder Spielplätze mit Radfahrerlaubnis, wo auch andere Kinder radeln. Radübungsplätze sind speziell aufs Radfahren zugeschnitten und bieten ideale Rahmenbedingungen für Kinder.

Die Radübungsplatz-Karte der Radlobby bietet erstmals einen Überblick über unterschiedliche Radübungsplätze in ganz Österreich. Mit einer einfachen Kategorisierung, Adresse des Übungsplatzes und Infos zur Zugänglichkeit. Die Karte stellt alle in der OpenStreetMap eingetragenen Standorte sowie alle uns bekannt gemachten Standorte dar.

Karte in eigenem Fenster öffnen.

Mit Stand Mai 2026 gibt es demnach in Österreich 6 Radspielplätze, 25 Verkehrsgärten, 183 Pumptracks/Dirtparks und einige temporäre Radübungsplätze.

Kategorisierung von Radübungsplätzen

Die Gestaltung der Radübungsplätzen kann sehr unterschiedlich sein. Die Anlagearten unterscheiden sich je nach gewünschter Zielgruppe und Schwierigkeitsgrad: vom sicheren Radfahren lernen über das spielerische Radtraining und Vorbereitung auf die Radfahrprüfung bis hin zur sportlichen Nutzung des Fahrrads am Pumptrack. 

Generelle Optionen der Gestaltung von Radübungsplätzen:

Radspielplätze

Der Radspielplatz ist ein öffentlicher Freiraum, ist kostenlos und ganzjährig nutzbar. Hier können Kinder in ihrer Freizeit Spaß am Rad erleben und ihre Fahrradgeschicklichkeit verbessern. Egal ob mit dem Laufrad oder bereits mit Pedalen, der Radspielplatz ist die ideale Umgebung, um im geschützten Rahmen Radfahren zu üben. 

Hier werden verschiedene Übungselemente frei kombiniert, um die motorische Fahrradbeherrschung auf vielfältige Weise zu fördern. Großzügige Freiräume ermöglichen den Kindern freie Interaktion. Leitmarkierungen auf Asphalt oder anderen befestigten Flächen geben Ideen, ohne die Kreativität einzuschränken. Radspielplätze sind mit einfachen Übungselementen ausgestattet. Spielerische Bodenmarkierungen leiten im Optimalfall auf unterschiedlichen Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen durch den Parcours. 

Zielgruppe: Der Radspielplatz richtet sich vor allem an Kinder von 3-12 Jahren. Hier kann in einer attraktiven Umgebung durch spielerisches Lernen das Fahrradfahren erlernt werden. Bei guter Ausstattung bietet der Radspielplatz Zeitfenster mit Betreuung durch ausgebildete Radfahrlehrer*innen. Dann ist auch eine Entnahme von Leihrädern oder Leihhelmen möglich. Für Kindergruppen und Schulklassen können hier auch Radfahrkurse abgehalten werden.

Radmotorikpark Kaisermühlen
Copyright: © Peter Provaznik
Radmotorikpark Kaisermühlen, Wien

Die ersten beiden Radspielplätze wurden in Wien Kaisermühlen (2020) und in der Seestadt Aspern (2021) errichtet. Auch in der Fischeraustraße und am Ortweinplatz in Graz sind 2025 Radspielplätze eröffnet worden. Das grundlegende Konzept zu Radspielplätzen in Österreich von Alec Hager (Die Radvokat:innen) wurde 2017 im Rahmen des Wiener Ideenwettbewerbs "KinderKinder" prämiert. Es orientierte sich an dänischen Vorbildern.

Verkehrsgärten

Verkehrsgärten oder „Verkehrserziehungsplätze“ sind Radübungsplätze mit Verkehrszeichen, Ampeln und Bodenmarkierungen. Verkehrsgärten simulieren die Verkehrsrealität ohne motorisierten Verkehr, daher besonders sicher. Die Kommunikation und Interaktion zwischen allen Verkehrsteilnehmer*innen kann hier nur sehr eingeschränkt trainiert werden. 

Zielgruppe: Verkehrsgärten sind vor allem für Schulgruppen und zur betreuten Vorbereitung auf die freiwillige Radfahrprüfung gedacht. Wenn ausreichend Freifläche abseits des Verkehrsparcours zur Verfügung steht, eignen sich diese Plätze auch gut für Anfänger*innen. Oft ist das mit engen Öffnungszeiten verbunden. Außerhalb der Unterrichtszeiten sollten diese Verkehrsgärten zwar durch die Öffentlichkeit genutzt werden können, sodass beispielsweise Eltern mit ihren Kindern das Radfahren üben können. Dies ist jedoch leider selten der Fall. Ein Vorbild für die öffentliche Zugänglichkeit von Verkehrsgärten ist der Verkehrserziehungsgarten Friedenspark in Wels.

Verkehrsgarten Wels
Copyright: © Stadt Wels
Verkehrsgarten Friedenspark, Wels.

Pumptrack/Dirtpark

Pumptracks können sowohl aus Asphalt (befestigt) als auch aus Erdmaterialien (unbefestigt) gebaut werden. Die Elemente können auch aus Kunststoff bestehen, die zu unterschiedlichen Pumptrack-Formen im Rundkurs zusammengefügt werden und temporär eingesetzt werden. Als Muldenbahn gestaltet kann der Pumptrack auch in bestehendes Gelände gelegt werden. 

Der Pumptrack ist meist eine Rundkurs-Anlage, die ohne Pedalantrieb gefahren werden kann. Die Fortbewegung in der Wellenbahn wird zum größten Teil durch „Pumpen“ erreicht. Durch Be- und Entlasten der Räder durch Strecken und Beugen der Arme und Beine wird auf der Wellenbahn die Vortriebsenergie generiert. 

Zielgruppe: Die sportliche Nutzung des Fahrrads steht bei Pumptracks im Mittelpunkt. Gut geeignet sind Pumptracks zur Auflockerung für geübte Kinder ab ca. 8 Jahren, die sich etwas mehr zutrauen. Für Anfänger*innen ist diese Anlageart eher nicht geeignet.

Pumptrack Tourismusverband Oststeiermark
Copyright: © Helmut Schweighofer
Pumptrack in St. Ruprecht an der Raab, Steiermark. 

Temporäre Radübungsplätze

Diese Radübungsplätze sind meist befestigte Flächen, die temporär zur Verfügung stehen (z.B. nur über die Sommermonate oder zu vordefinierten Kurszeiten) und seltener über fixe Übungselemente verfügen. Sie werden häufig auf öffentlichen Plätzen, Straßen und Gassen angelegt. Auf diesen Plätzen werden meist (temporäre) Bodenmarkierungen und mobile Elemente wie Verkehrszeichen, Hütchen, Slalomstangen, Wippen oder Rampen eingesetzt. Temporäre Radübungsplätze bieten gute Zugänglichkeit für Zielgruppen durch ihre Nähe zum Wohnumfeld. Bewährt sich der Standort, kann er als dauerhafter Radübungsplatz etabliert werden.

Zielgruppe: Gut geeignet für Anfänger*innen, da die Fläche meist eben und ausreichend Platz zum Radfahren lernen bietet, vor allem aber als Kursplatz für Schulgruppen oder Ferienbetreuung gedacht. 

Temporärer Radübungsplatz
Copyright: © Victor Liska
Im Winter: Eislaufplatz – Rest des Jahres: Radübungsplatz.

Radspielplätze für alle!

Aktive, gesunde Kindermobilität mit dem Fahrrad ist wichtig im Engagement gegen Bewegungsarmut und Verkehrsemissionen – und macht Spaß! Die Radlobby fordert die Errichtung von qualitativ hochwertigen Radübungsplätzen unterschiedlicher Anlagearten in ganz Österreich, eine Orientierung könnte in etwa einer pro 30.000 Einwohner*innen sein. Diese sollen in der Nähe des Wohnorts und in guter Erreichbarkeit für alle Altersgruppen liegen. Die Stadt Bern zum Beispiel hat dazu schon im Jahr 2018 ein Konzept ausgearbeitet, das rund 30 Radübungsplätze im gesamten Stadtgebiet vorsieht, die bis ins Jahr 2028 realisiert sein sollen (Velo-Freizeitanlagen Stadt Bern). 

Radübungsplätze sollten möglichst multifunktional gestaltet werden, sodass sie gut mit diversen Rollgeräten (Tretroller, Micro-Scooter, etc.) mit Körperkraft befahren werden können. Der Platz sollte fixe Hindernisse als auch flexibel nutzbare Flächen beinhalten, die für Fahrradspiele und die Vorbereitung auf die Freiwillige Radfahrprüfung Platz bietet. Auf diesen Flächen können zusätzliche temporäre Elemente wie Verkehrszeichen, Hütchen, Slalomstangen oder ähnliches aufgebaut werden.

Radspielplatz Seestadt Aspern Wien
Copyright: © Alec Hager
Radspielplatz Seestadt Aspern, Wien.

Sie kennen weitere Radübungsflächen in Österreich? Dann melden Sie sich unter info@radlobby.at mit Beispielen und wir verorten diese in der online Radübungsplatz-Karte. Eine Eintragung in die OpenStreetMap ist ebenfalls geplant.

Petition in Wien

Die Kidical Mass Organisator*innen in Wien rufen derzeit gemeinsam mit der Radlobby Wien mittels einer Petition den Gemeinderat auf, die Situation für Kinder am Rad in Wien zu verbessern. Hier unterzeichnen! 

Jetzt Mitglied werden!
Copyright: Radlobby

Bundesverband - Termine