NO2-Grenzwerte: Reduktion des Autoverkehrs nötig - Radfahren würde dadurch attraktiver

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Die zu hohen Stickstoffoxidbelastungen in Linz, die großteils vom Autoverkehr verursacht werden, betreffen rund ein Fünftel der Linzer Bevölkerung (36.000 EinwohnerInnen) und stellen damit eine nicht akzeptierbare gesundheitliche Belastung dar. Aus der vorliegenden Studie des Umweltbundesamtes geht klar hervor, dass die erforderliche Senkung der Emissionen nur durch eine Kombination von Verbesserungen für das Radfahren, zu Fuß Gehen und den öffentlichen Verkehr und gleichzeitig aber auch von einschränkenden Maßnahmen für den Autoverkehr erreicht werden kann. Die bloße Ablehnung der Einführung einer Zufahrtsbeschränkung für emissionsstarke Fahrzeuge (Umweltzone) durch Politik und Wirtschaftskammer ohne gleichzeitig entsprechende alternative direkte Maßnahmen zur Reduktion des Autoverkehrs anzubieten, bedeutet, dass das Ziel der Senkung der Emissionen nicht ernst genommen wird.

Die aktuelle Studie des Umweltbundesamts zeigt klar, dass die erforderliche Reduktion der NO2-Belastung nur erreicht werden kann, wenn zusätzlich zu den im Gesamtverkehrskonzept Linz von 2012 vorgeschlagenen Maßnahmen (u.a. Ausbau und Verdichtung des öffentlichen Verkehrs, verstärkte Förderung des Fahrrad- und FußgängerInnenverkehrs, Verkehrsberuhigung Kfz-Verkehr in der Innenstadt, flächendeckende Parkraumbewirtschaftung) eine Zufahrtsbeschränkung für Kfz in die Innenstadt in Form einer Umweltzone eingeführt wird.

Der Arzt und Wissenschaftler an der Medizinuniversität Wien Dr. Manfred Neuberger konnte in seinen Studien die fatalen Auswirkungen der Kfz-Abgase auf die Gesundheit nachweisen und betont, dass vor allem auch in Linz dringend Handlungsbedarf für eine Reduktion der Kfz-Abgase besteht. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass Umweltzonen Verbesserungen bringen. „Einen Teil der Bevölkerung zu motivieren, den täglichen Schul- und Arbeitsweg per Rad zurückzulegen, wäre nicht nur für die Reduktion von Luftschadstoffen und Lärm, sondern auch für die Senkung der Bewegungsmangelkrankheiten ein enormer Gewinn.“ betont Neuberger.

Der Soziologe Reinhold Priewasser von der Johannes Kepler Universität Linz stellt in seiner Studie zu verkehrspolitische Ansatzmöglichkeiten zur Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl unter Bezug auf den oö. Zentralraum klar, dass Qualitätsverbesserungen beim öffentlichen Verkehr, Rad- und Fußverkehr erfahrungsgemäß nicht ausreichen, um entscheidende Verlagerungseffekte zu erzielen. Nach einer Erhebung sind 59 % aller Pkw-Fahrten in Linz nicht objektiv begründbar und damit grundsätzlich verlagerbar. Für eine Verlagerung dieser Pkw-Fahrten erfordern ausgeprägte Beharrungstendenzen im Entscheidungsverhalten der AutonutzerInnen zusätzlich einschränkende Maßnahmen für den Autoverkehr. Solche Maßnahmen fördern zugleich die Alternativen zum Autoverkehr, weil durch einen geringeren Autoverkehr sowohl der öffentliche Verkehr, der Radverkehr und das zu Fuß Gehen attraktiver und sicherer werden. Beispiele dafür sind Zufahrtsbeschränkungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Kreuzungsgestaltungen, die für den öffentliche Verkehr, den Radverkehr und das zu Fuß Gehen optimiert sind (z.B. durch entsprechende Ampelschaltungen, Aufstellflächen für RadfahrerInnen), sowie Busspuren, die auch für das Radfahren geöffnet sind. Die Errichtung von durchgehenden Radwegen und breiteren Gehsteigen erfordert häufig zusätzliche Flächen, die oft nur zu Lasten von Autoabstellflächen und Fahrbahnen gewonnen werden können.

Die Radlobby OÖ fordert daher, nicht nur umgehend die längst fällige umfassende Förderung des Fahrradverkehrs im Großraum Linz anzugehen, sondern gleichzeitig auch den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren, durch die Einführung einer Umweltzone oder einer vergleichbaren Zufahrtsbeschränkung, aber auch durch Umwidmung von Straßenflächen zugunsten des Radverkehrs, der FußgängerInnen und des öffentlichen Verkehrs. „Es ist inakzeptabel, wenn das permanente Überschreiten von Grenzwerten der Luftbelastung ignoriert wird, und die Gesundheit der Linzer BürgerInnen mit Füßen getreten wird! Daher braucht es Maßnahmen, die sofort umsetzbar sind und rasch und sicher Wirkung zeigen. Zu einem beträchtlichen Teil werden die Überschreitungen durch Autofahrten verursacht, für die es keine Notwendigkeit gibt. Darum braucht es so etwas wie eine Umweltzone in Kombination mit einer massiven Förderung des Radverkehrs, bei dem es im Vergleich zum öffentlichen Verkehr noch sehr großen Aufholbedarf gibt!“ schließt Mirko Javurek, Vorsitzender der Radlobby Oberösterreich.