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Nibelungenbrücke: Ein Jahr später – zwischen Provisorium und Stillstand

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Radfahrende warten neben Laster auf der Westseite der Linzer Nibelungenbrücke
Copyright: Radlobby Linz

Ein Jahr nach den ersten Umbauten auf der Nibelungenbrücke bleibt die wichtigste Radverbindung der Stadt ein Provisorium – und auf der Westseite ein Sicherheitsrisiko. Nun droht daraus erneut eine Dauerlösung zu werden. Die Radlobby Linz fordert jetzt dringend konkrete Maßnahmen – und externe Expertise statt weiterer jahrelanger Verzögerung.

Ein Provisorium als Dauerlösung?

Radverkehr auf der Ostseite am bestehenden Radweg-Provisorium
Copyright: Radlobby Linz
Macht Radfahren sicherer ‒ ist aber keine Dauerlösung. Das bestehende Radweg-Provisorium auf der Ostseite.

Ein Jahr nach der Einführung der geschützten Radwege auf der Nibelungenbrücke zeigt sich ein gemischtes Bild: Das im April 2025 eingerichtete Provisorium auf der Ostseite (AEC) hat die Sicherheit für Radfahrende spürbar verbessert.

Doch was als kurzfristige Übergangslösung bis zur Brückensanierung gedacht war, droht nun zur Dauerlösung zu werden. Durch die Verschiebung der Sanierung durch das Land Oberösterreich auf frühestens 2032 wird ein Provisorium über Jahre hinweg zementiert.

Damit werden jedoch auch seine Schwächen verlängert: Die bestehende Lösung entspricht nicht den Anforderungen an eine moderne Radhauptroute und wird den steigenden Ansprüchen an eine zentrale Verbindung im Linzer Radverkehr in den nächsten Jahren nicht gerecht werden. 

Westseite: Ungelöste Sicherheitslücke im Herzen von Linz

Radfahrerin mit Kind auf der Westseite der Nibelungenbrücke - ungeschützt direkt neben vielen Autos
Copyright: Radlobby Linz
Direkt und ungeschützt neben dichtem Auto- und Schwerverkehr: Die Westseite der Nibelungenbrücke.

Während auf der Ostseite zumindest ein Provisorium besteht, bleibt die Situation auf der Westseite untragbar: Der geschützte Radweg wurde bereits kurz nach seiner Einführung im April 2025 wieder entfernt.

Seither müssen sich Tausende Radfahrende täglich erneut mit einem lediglich 85 Zentimeter schmalen Streifen begnügen – direkt neben dem dichten motorisierten Verkehr mit Tempo 50 und mehr. Gleichzeitig kommt es zu Konflikten mit dem Fußverkehr, da es zu eng ist und keine bauliche Trennung besteht.

Diese Situation ist brandgefährlich: Durch die hohe, ungesicherte Gehsteigkante besteht ständige Absturzgefahr direkt in den nebenliegenden LKW- und Autoverkehr.

Interne Expertenkommission brachte keine Fortschritte

Nach dem Abbau auf der Westseite erklärte der Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer die Causa zur Chefsache. Eine interne Expertenkommission von Stadt und Land sollte Lösungen erarbeiten.

Ein Jahr später fällt die Bilanz ernüchternd aus: Nur wenige Sitzungen und keine Fortschritte bei der zentralen Frage der Westseite. Externe Expertise von Fachleuten und Organisationen wie der Radlobby wurde nicht eingebunden.

Innerhalb der Kommission herrscht offenbar Einigkeit, die ostseitige Lösung auf AEC-Seite nun gar bis mindestens 2032 in der derzeitigen Form bestehen zu lassen.

Genau hier werden sich aber die Grenzen zeigen: Das Provisorium entspricht nicht den Richtlinien für Radhauptrouten und kann die Anforderungen für eine der wichtigsten Radverbindungen der Stadt nicht erfüllen.

Auf der Westseite jedoch, wo dringend eine Lösung notwendig wäre, bleibt alles offen. Die Entscheidung wird de facto um Jahre vertagt, bis nach Fertigstellung des A26-Autobahntunnels, frühestens 2032. Eine politische Entscheidung, die die bestehenden Sicherheitsprobleme weiter verlängert.

Sofort umsetzbar: Tempo 30 auf der Westseite

Dass trotz „Chefsache“ und mehrerer Expertenrunden am Ende nur das Verschieben von Entscheidungen steht, ist für die Menschen, die auf der Nibelungenbrücke mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen, untragbar. Tausende Menschen haben bereits im letzten Jahr mit einer Petition mehr Mut für die Klimahauptstadt Linz eingefordert.

Es braucht unmittelbare Sicherheit: Solange es keine sichere bauliche Lösung gibt, ist eine Temporeduktion auf 30 km/h für den Kfz-Verkehr neben dem Radweg notwendig – und sofort politisch umsetzbar.

Diese Schutzmaßnahme reduziert die Gefährdung deutlich und entspricht grundlegenden Prinzipien der Verkehrssicherheit.

Ungeprüfte Lösungsansätze evaluieren und Radlobby einbinden

Der Versuch auf der Westseite scheiterte an vermeidbaren Rahmenbedingungen. Nun muss aus den Erfahrungen des Frühjahrs 2025 gelernt werden.

Es gibt Lösungen, die ohne großen Umbau und ohne Brückensanierung umgesetzt werden können. Mit überschaubaren Anpassungen in der Verkehrsorganisation – insbesondere im sensiblen Kreuzungsbereich vor dem Hauptplatz – und besserer Vorbereitung kann auch auf der Westseite eine sichere Radführung erreicht werden. Kleinere bauliche Maßnahmen im Bereich des Brückenkopfs ermöglichen dies sogar ohne die Leistungsfähigkeit für den Kfz-Verkehr einzuschränken.

Die Radlobby Linz hat dazu bereits konkrete Vorschläge vorgelegt, die bisher nicht geprüft wurden und weiterhin unberücksichtigt bleiben. Damit bleiben umsetzbare Verbesserungen ungenutzt. Wir stehen bereit, diese im Rahmen der Kommission detailliert zu diskutieren.

Externe Expertise einholen

Die Neuordnung der Mobilität auf der Nibelungenbrücke ist ein komplexes Transformationsprojekt. Vergleichbare Vorhaben in anderen Städten zeigen: Erfolgreiche Lösungen entstehen dort, wo unabhängige Fachleute frühzeitig eingebunden werden.

Eine Öffnung der bisherigen, rein internen Prozesse ist daher dringend notwendig. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle relevanten Optionen geprüft und tragfähige Entscheidungen getroffen werden.

Nach einem Jahr „interner Expertenkommission“ zeigt sich auch: Transparente und nachvollziehbare Kommunikation wäre entscheidend, um Vertrauen und Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern.

Für die Politik muss die Zeit des Zuwartens vorbei sein. Die Ziele einer sicheren und zukunftsfähigen Mobilität müssen sich auch auf der Nibelungenbrücke widerspiegeln.

Eine sichere Gestaltung der Nibelungenbrücke darf nicht bis 2032 dauern!

Radfahrer*innen fahren auf der Nibelungenbrücke am schmalen Radstreifen, daneben Autos im Stau trotz drei Fahrspuren und wieder abgebautem geschützten Radstreifen.
Copyright: Radlobby Linz
Nach dem Abbau des geschützten Radwegs auf der Westseite: Trotz dreier Autospuren nach wie vor Autostau ‒ aber für Tausende Radfahrer*innen wieder täglich Gefahr am schmalen Radweg.

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