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Schulcheck

Symbolbild Schulcheck
Copyright: Christoph Zettinig

Fahrradtauglichkeit der Kärntner Schulen im Fokus: 

Kärntens Schulen fallen bei der Radtauglichkeit großteils durch

Radfahren zur Schule hält gesund, macht selbstständig und reduziert den Autoverkehr – doch Kärntens Schulen sind dafür schlecht gerüstet. Das zeigt der Schulcheck der Radlobby Kärnten, der 101 Schulstandorte ab der 5. Schulstufe erstmals systematisch auf ihre Radtauglichkeit geprüft hat. Das Ergebnis ist ernüchternd.

 

Kinder, die regelmäßig mit dem Rad zur Schule fahren, sind fitter, konzentrierter und selbstständiger. Gleichzeitig lernen sie früh, sich sicher im Verkehr zu bewegen. Dennoch radeln viele Kinder kaum oder gar nicht zur Schule. Hauptgründe sind unsichere Schulwege, ein hohes Verkehrsaufkommen und das allgegenwärtige Elterntaxi.
Gerade Kinder sind stark von Mobilitätsarmut betroffen. Wenn sichere Wege oder öffentliche Verkehrsmittel fehlen, bleibt ihnen oft nur das Auto der Eltern. Der Schulcheck setzt hier an und macht sichtbar, wo diese strukturellen Defizite liegen.

 

Der Schulcheck 2025 der Radlobby Kärnten wurde durchgeführt, um die Radinfrastruktur an insgesamt 101 Schulstandorten ab der 5. Schulstufe systematisch zu bewerten. Aufbauend auf früheren Check-Aktionen wie dem Bädercheck 2022 und dem Bahnhofcheck 2023 verfolgte das Projekt das Ziel, fundierte Daten über die Situation von Radabstellanlagen und die Erreichbarkeit der Schulen am Fahrrad zu gewinnen sowie das Bewusstsein für sichere Radmobilität zu stärken. Die Untersuchung schafft eine Grundlage, auf der Gemeinden, Schulen und politische Entscheidungsträger zukünftige Verbesserungsmaßnahmen aufbauen können.

 

Bewertungskriterien

Bewertet wurden die Schulstandorte in zwei zentralen Kategorien: Die Qualität der Radabstellanlagen am Schulstandort sowie die sichere Erreichbarkeit der Schule aus den wichtigsten Wohngebieten der Schülerinnen und Schüler. Bei den Abstellanlagen wurden Anzahl, Qualität, Witterungsschutz, Diebstahlsicherheit und Auffindbarkeit geprüft. Für die Erreichbarkeit wurden die Wohnorte der Schülerinnen und Schüler im Umkreis von bis zu 5 Kilometer analysiert, ideale Routen von den wichtigsten Wohnorten zum Schulstandort erarbeitet und der Anteil sicherer Infrastruktur wie Radwege, Fahrradstraßen oder verkehrsberuhigte Bereiche der Routen bewertet. Gefahrenstellen wie Kreuzungen, Umwege, parkende Autos oder schlechte Beleuchtung flossen als Minuspunkte ein. Die Erhebung erfolgte digital und durch Befahrungen vor Ort nach einheitlichem Manual.

Nähere Details zur Methodik und den Kriterien finden Sie hier.

 

Ergebnisse zeigen massive Mängel bei Schulwegen und Abstellanlagen 

Schulcheck - Top 7 Schulen
Copyright: Radlobby Kärnten

Die Unterschiede zwischen den Schulen sind groß. Der Spitzenreiter war die Mittelschule Arnoldstein, die immerhin 22,5 von 30 möglichen Punkten erreichte. Doch solche Beispiele sind eher die Ausnahme.


Bei der sicheren Erreichbarkeit der Bildungseinrichtungen stellt die Radlobby ein schlechtes Zeugnis aus.  Der Schulcheck bringt strukturelle Schwächen ans Licht: In Städten ist die Radinfrastruktur oft etwas besser, gleichzeitig steigt das Risiko durch dichten Verkehr, Dooring-Zonen und parkende Autos. Im ländlichen Raum fehlen hingegen sichere Radrouten fast flächendeckend, sodass Kinder kaum gefahrlos zur Schule gelangen oder große Umwege in Kauf nehmen müssen.

Schulcheck - Anzahl der Schulen mit ausreichend Radständern
Copyright: Radlobby Kärnten

Doch auch die Schulen selbst haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Zwei Drittel aller Schulen verfügen über zu wenige Radabstellplätze. Hier sollte laut Richtlinie auf fünf Schülerinnen und Schüler ein Radabstellplatz kommenKatastrophal ist auch der Zustand der Abstellanlagen bei den Schulen. Diese dürfen keine Felgenkiller sein, sondern beispielsweise Anlehnbügel, die ein bequemes Parken und sicheres Absperren der Räder ermöglichen sollen. Keine einzige der untersuchten Kärntner Schulen erfüllt die Qualitätsanforderungen an Radständer zu 100 %. Bis auf 13 Bildungseinrichtungen, bei denen zumindest ein Teil der Abstellplätze qualitativ in Ordnung war, fällt der Großteil der Schulen in Sachen Qualität der Fahrradständer schlichtweg durch. Einer der Prüfer fasste es so zusammen: “Die Schulen wirken oft wie Mülldeponien für ausrangierte Radabstellanlagen aus dem vorigen Jahrhundert”.

Nähere Details zu den Ergebnissen finden Sie hier.

 

Was kann verbessert werden?

Der Schulcheck dient nicht als Pranger, sondern als Arbeitsgrundlage. Er ist ein klarer Handlungsauftrag an Gemeinden, Land und Bund: 

  • Kurzfristig sind qualitativ hochwertige Radabstellanlagen an allen Schulen sowie die konsequente Entfernung ungeeigneter Fahrradständer erforderlich.

  • Mittelfristig müssen Schulen prioritär in die kommunale und regionale Radnetzplanung integriert werden, um die Schulwege sicher zu gestalten und Kindern und Jugendlichen das Fahrradfahren zur Schule zu erleichtern. 

  • Langfristig sind Schulmobilitätspläne und Bewusstseinsarbeit erforderlich, um die Zahl der Elterntaxis zu reduzieren und Kindern eigenständige Mobilität zu ermöglichen. 

 

Der Schulcheck 2025 zeigt deutlich: Wer will, dass Kinder sicher Rad fahren, muss Infrastruktur, Planung und Verantwortung ernst nehmen.

 

 

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