Schüler:innen wollen radeln – doch Elterntaxis, fehlende Radwege und Radständer bremsen sie aus.
Anlässlich des Weltfahrradtages am 3. Juni ziehen Radlobby Kärnten und Klimabündnis Kärnten eine ernüchternde Bilanz zur Fahrradtauglichkeit der Kärntner Schulen. Der erstmals flächendeckend durchgeführte Rad-Schulcheck zeigt massive Defizite bei sicheren Schulwegen und bei der Ausstattung mit geeigneten Radabstellanlagen.
Im Rahmen des Projekts, welches vom Klima- und Energiefonds gefördert wurde, wurden 101 Kärntner Schulstandorte ab der 5. Schulstufe systematisch auf ihre Radfreundlichkeit untersucht. Bewertet wurden dabei sowohl die Qualität der Radabstellanlagen vor Ort, als auch die sichere Erreichbarkeit der Schulen über geeignete Radverbindungen. „Kinder und Jugendliche wollen selbstständig, sicher und klimafreundlich zur Schule kommen können. Die Ergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass Kärnten davon noch weit entfernt ist“, erklären Petra Obernosterer vom Klimabündnis und Christoph Zettinig von der Radlobby Kärnten.
Befragung an zehn ausgewählten Schulen zeigt: Schüler:innen wollen radeln – doch das Elterntaxi bremst aus
Das Klimabündnis Kärnten hat an zehn Schulen die Schüler:innen zum Mobilitätsverhalten befragt. Das Ergebnis: Viele Kinder und Jugendliche würden ihren Schulweg lieber mit dem Fahrrad oder E-Scooter zurücklegen, statt mit dem „Elterntaxi“ gebracht zu werden.
Warum das oft nicht passiert? “Neben längeren Distanzen nennen viele Schüler:innen vor allem Sicherheitsbedenken der Eltern. Hohe Verkehrsbelastung und unübersichtliche Situationen vor Schulen führen dazu, dass Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto bringen – was das Verkehrsaufkommen zusätzlich erhöht.” erklärt Petra Obernosterer vom Klimabündnis Kärnten die Beweggründe.
Zwei Drittel der Schulen mit zu wenigen Radabstellplätzen
Besonders alarmierend ist auch die Situation bei den Fahrradabstellanlagen. Rund zwei Drittel aller untersuchten Schulen verfügen über zu wenige Stellplätze. Darüber hinaus entsprechen die Anlagen, die vorhanden sind, nicht den aktuellen Vorschriften und Normen, sonden stammen vielerorts noch aus dem letzten Jahrtausend: „Noch immer dominieren sogenannte Felgenkiller-Ständer, die Felgen und Scheibenbremsen beschädigen können und bei denen Fahrräder weder sicher noch komfortabel abgestellt werden können. Moderne Anlehnbügel mit Diebstahlschutz sind weiterhin die Ausnahme“, so Zettinig. Zusätzlich fehlt an vielen Standorten ein Witterungsschutz.
Unsichere Schulwege verhindern selbstständige Mobilität
Auch bei der Erreichbarkeit stellt die Radlobby Kärnten den Schulen und Gemeinden ein schlechtes Zeugnis aus. Während in Städten teilweise Radinfrastruktur vorhanden ist, sorgen dichter Verkehr, parkende Autos und gefährliche Kreuzungen für Unsicherheit. Im ländlichen Raum fehlen sichere Radverbindungen oftmals fast vollständig.
Für den Schulcheck wurden die wichtigsten Wohngebiete der Schüler:innen analysiert und die sichersten möglichen Routen zur Schule bewertet. Dabei flossen unter anderem vorhandene Radwege, Verkehrsberuhigung, Beleuchtung, Umwege und Gefahrenstellen in die Bewertung ein.
„Viele Kinder könnten problemlos kurze Wege mit dem Fahrrad zurücklegen. Stattdessen zwingt die fehlende Infrastruktur Familien häufig ins Auto. Das verstärkt den Verkehr rund um die Schulen zusätzlich“, betont die Radlobby.
Die zentrale Erkenntnis des Projekts: Sichere Rahmenbedingungen sind der Schlüssel für mehr aktive, gesunde und klimafreundliche Schulmobilität in Kärnten.
Die Ergebnisse zeigen auch ein sozialpolitisches Problem: Mobilitätsarmut trifft besonders junge Menschen. Fehlende sichere Wege schränken die selbstständige Mobilität junger Menschen massiv ein. „Wer keinen sicheren Schulweg hat, bleibt vom Elterntaxi abhängig. Das betrifft besonders Jugendliche im ländlichen Raum. Sichere Radwege sind daher auch eine Frage der Chancengerechtigkeit“, erklären Zettinig und Obernosterer gemeinsam.
Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten gegenzusteuern.
Trotz der insgesamt ernüchternden Bilanz gibt es auch positive Beispiele. Spitzenreiter des Schulchecks wurde die Mittelschule Arnoldstein mit 22,5 von 30 möglichen Punkten, vor allem aufgrund des konsequenten Radwegeausbaus in der Gemeinde. Radlobby und Klimabündnis betonen, dass der Schulcheck nicht als Pranger gedacht sei, sondern als fundierte Arbeitsgrundlage für Gemeinden, Schulen und Politik. Gemeinsam mit den Kärntner Klima- und Energiemodellregionen, dem Klimabündnis Kärnten und der Radlobby Kärnten können Schulen und Gemeinden konkrete Maßnahmen entwickeln. Für die Umsetzung stehen auch unterschiedliche Fördermöglichkeiten bereit.
Anlässlich des Weltfahrradtages fordern Radlobby und Klimabündnis konkrete Verbesserungen.
Wenn Kärnten ernsthaft mehr aktive Mobilität und Klimaschutz möchte, müssen Kinder sicher mit dem Fahrrad zur Schule fahren können. Dazu braucht es:
- sichere und durchgängige Radverbindungen zu allen Schulen
- moderne, ausreichend dimensionierte Radabstellanlagen und konsequente Entfernung ungeeigneter Fahrradständer
- Verkehrsberuhigung im Schulumfeld
- stärkere Berücksichtigung der Alltagsmobilität von Kindern und Jugendlichen in der Verkehrsplanung
“Der Weltfahrradtag erinnert uns daran, dass Radfahren nicht nur Freizeitbeschäftigung ist, sondern Teil einer funktionierenden Alltagsmobilität“, so die Radlobby und das Klimabündnis abschließend.
Detailergebnisse und Methodik unter: https://schulcheck-kaernten.radlobby.at/