Infrastruktur Bilanz 2019

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Als die Liste des Bauprogramms Radverkehrsanlagen 2019 der Stadt Wien Anfang des Jahres erschien, war die Enttäuschung groß. So wenige Bauvorhaben wie heuer gab es seit vielen Jahren nicht. Jetzt, wo das Jahresende naht, sieht die Bilanz viel positiver aus. Langjährige Lücken im Radverkehrsnetz wurden geschlossen oder die Qualität verbessert.

Naschmarktradweg - Zweirichtungsradweg

An der Weiterführung des Naschmarktradweges wird intensiv gebaut. Zum Redaktionsschluss war der Abschnitt zwischen Nibelungengasse und Getreidemarkt fertig, bis zum 13. Dezember soll die gesamte Strecke befahrbar sein. Dieses Radinfrastrukturprojekt ist deshalb so erfreulich, weil bisher in der Linken Wienzeile auf Höhe Naschmarkt eine 700 Meter lange Lücke klaffte. Die Parallelrouten in der Margaretenstraße bzw. Gumpendorfer Straße verliefen- verlaufen? auf stark befahrenen Hauptstraßen und waren-sind? für ungeübte Radfahrende nicht geeignet.

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Margaretenstraße – Radfahren gegen die Einbahn

Die Einbahn Margaretenstraße zwischen Margaretenplatz und Spengergasse wurde für Radfahrende auf einer Länge von 500 Metern geöffnet. Sie bietet jetzt eine schnelle und direkte Verbindung stadteinwärts. Besonders wichtig ist diese Route wegen der Sperre des Wientalradweges bei der U-Bahn-Station Pilgramgasse. Problematisch: dass – wie die Beobachtung zeigt – manche Kfz-Lenkende Linkskurven schneiden und auf den Radstreifen gegen die Einbahn als Geisterfahrer unterwegs sind.

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Gersthofer Straße – Radweg und Busspur

Im Jahr 2017 wurde der Radweg in der Lidlgasse errichtet, im Jahr 2018 dann die Fortsetzung Gersthofer Straße bis Czartoryskigasse. Heuer führte man die Radverbindung bis zur Kreuzung Währinger Straße weiter. Bergauf als Radweg, bergab dürfen Radfahrende die Busspur mitbenützten. Durch das Gefälle kommt der Radfahrende komfortabel mit dem Kfz-Verkehr mit, aber es ist Radinfrastruktur hauptsächlich für Selbstbewusste und Geübte.

Oberlaa – fünf neue Fahrradstraßen

Fahrradstraßen sind bei Radfahrenden eine sehr beliebte Verkehrsorganisation. In Wien wurden sie bisher leider nur spärlich eingesetzt, weil die Widerstände wegen des Durchfahrverbots für Kfz groß waren. Jetzt konnte eine Lösung auf Strecken ohne Kfz-Durchzugsverkehr gefunden werden. Dort können wichtige Zufahrtswege für Anrainerinnen und Anrainer mit einem Zusatzschild erlaubt werden. Im Ersteinsatz sind sie in Oberlaa, wo auf der Langstrecke Süd fünf Fahrradstraßen entsprechend den Qualitätsleitlinien für Fahrradstraßen errichtet wurden.

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Querung Gumpendorfer Gürtel

Die neue Querungsmöglichkeit für Radfahrende eröffnet eine komfortable Parallelroute nördlich der Wienzeile über der Mollardgasse/Magdalenenstraße. Negativ ist das gemischte Fußgänger-/Radfahrendensignal bei einer zu querenden Fahrbahn mit drei Fahrstreifen (weil die Grünphase für Radfahrende kürzer als notwendig ist) und die Bedarfsanmeldung mit Druckknopf (vulgo „Bettelampel“).

Querung Ring/Babenbergerstraße

Die zusätzliche Querungsmöglichkeit für Radfahrende auf der Nordseite der Kreuzung ermöglicht eine direkte Weiterfahrt am Radweg Richtung Mariahilfer Straße. Sie wurde sofort nach Einrichtung stark genützt. Negativ ist ebenfalls hier das gemischte Fußgänger-/Radfahrendensignal bei drei Fahrstreifen und zwei Straßenbahngleisen. Eine getrennte Signalisierung hätte den Radfahrenden eine zehn Sekunden längere Grünzeit gegeben.

Wientalradweg zwischen Fabriksbrücke und Schönbrunner Brücke

Dieser Abschnitt des Wientalradweges verlief auf der Südseite des Wienflusses und war durch die geringe Breite von niedriger Qualität. Im Zuge der Bautätigkeiten auf den Komet-Gründen wurde auf der Nordseite eine Auskragung (i.e. eine Überbrückung) errichtet, die Fläche verbreitert und die Rad- und Gehwege auf den ersten 100 Metern erheblich verbreitert. Ergebnis: sehr hohe Qualität. Weiter Richtung Stadtauswärts bis zur Schönbrunner Brücke dient der alte Gehweg jetzt als Geh- und Radweg mit einer Breite, die nicht mal die Mindestqualitätskriterien einer Langstrecke erfüllt. In Summe eine Verbesserung, aber es gibt noch genug Luft nach oben.

"Die Radlobby spricht sich dafür aus, den Radverkehr auf der Rad-Langstrecke vom Fußverkehr zu trennen. Dies soll durch einen rückgewonnen Teil der Fahrbahn ermöglicht werden. Mittelfristig brauchen Linke Wienzeile bzw. Hadikgasse zwischen Fabriksbrücke einen baulichen Zweirichtungsradweg in Radlangstrecken-Qualität." so Roland Romano, Sprecher der Radlobby. 

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Der neue Abschnitt nach Fertigstellung

Weitere wichtige Radinfrastrukturmaßnahmen in Wien 2019

  • Radweg in der Neuhaufenstraße

  • Querung Wienerbergstraße/Clemens-Holzmeister-Gasse

  • Öffnung Einbahn Rotenturmstraße durch Begegnungszone

Mithelfen

Die Radlobby Wien setzt sich intensiv für eine Steigerung des Ausbautempos und die Erhöhung der Qualität der Radinfrastruktur ein. Im Austausch mit dem Verkehrsressort, mit der Fachkommission Verkehr und den Bezirksvorstehungen bringen Radlobby-Vertreterinnen und -Vertreter Verbesserungvorschläge ein. Die Infrastrukturleitlinien der Radlobby Wien finden Sie hier

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