Radeln ZUM See, nicht UM den See!

Ein Beitrag von Katharina und Clemens Unterberger zum Thema: Der Weg ist das Ziel. Mit dem Rad zum Neusiedler See.

Mit der Anreise steigt die Vorfreude auf den Urlaub, die Abreise rundet ihn ab. Es gilt also, auch diese zwei bisher vernachlässigten Ferientage beim Urlaub planen mitzudenken.

Nach unserem Umzug ins Burgenland war klar, dass der Sommerurlaub dazu genützt wird, um mit dem Rad ein Stück der neuen Heimat zu erkunden.

Ausgestattet mit einem Anhänger für unsere zwei Buben im Alter von 1,5 und 3 Jahren, zwei Fahrrädern, mehreren Satteltaschen sowie zwei Achsen fürs Umhängen des Anhängers war schnell klar, der Neusiedlersee ist das Ziel. Die zwei vernachlässigten Ferientage – nämlich der Anreise- und Abreisetag – sollten also ebenso miteingeplant werden, wie alle anderen Urlaubstage.

Die Angst vor dem Packen war groß - wird sich alles in den Satteltaschen ausgehen? Sollen die notwendigen Windeln für den Kleinen – übrigens ein relativ großes Volumen - mitnehmen oder unterwegs kaufen? Aber die Sorgen waren unberechtigt - mit Kindern kommt man ohnedies schlecht in die Verlegenheit, ein club-taugliches Abendoutfit samt passender Schuhe einpacken zu müssen, also waren ein paar T Shirts, Röcke und Hosen, Camping-Handtücher und Badekleidung bald verstaut. Erstaunlich war allerdings die Menge an Pick- und Flickzeug, Werkzeug, Radkarten, Erste Hilfe Packerl, Sonnenschutz, Ablenkungsmaterial für die Kinder – der Anteil dieser funktionalen Sachen wurde von mir jedenfalls unterschätzt.

Die Menge an Pick- und Flickzeug ist nicht nur erstaunlich, sondern auch nötig!

Von Bad Sauerbrunn ging es über Pöttsching nach Sigless (hier wurde bereits das Flickzeug gebraucht, Clemens hatte einen Patschen, der jedoch bald wieder geflickt war). Weiter nach Stöttera, Antau, Wulkaprodersdorf bis nach Trausdorf an der Wulka, wo es fabelhaften Steckerlfisch mit integriertem Spielplatz zum Austoben für die Kinder gab. Das war nämlich sofort klar – wenn eine Etappe erledigt ist, muss quasi im Moment des Stehenbleibens eine Vergnügungsstätte für die Kinder verfügbar sein – denn das brave Hinten-Sitzen-Bleiben lassen sich die Kinder auch belohnen! Der Weg danach führte uns über St. Margarethen nach Rust, wo wir erstmal ein Zimmer bezogen.

Zwischenfazit: die Anreise war locker an einem Tag zu schaffen, auch trotz eines Patschens.

Die Tage danach verbrachten wir im family park (wo wir mit unseren Rädern die einzigen am Radständer waren) und im Seebad Rust. Später übersetzen wir mit der Radfähre nach Podersdorf, fuhren mit den Rädern nach Illmitz, um dort erneut Quartier zu beziehen. Von Illmitz aus konnten wir den Steppentierpark Pamhagen, das Naturschutzgebiet Lange Lacke und den freundlichen Arbeiter in Apetlon für ausreichend kindertaugliches und kulinarisches Programm erreichen.

Barrierefreiheit betrifft auch RadfahrerInnen!

Als am letzten Tag des Urlaubes einer unserer Söhne leichtes Fieber bekam, beschlossen wir spontan die Route zum nächsten Bahnhof umzulegen. Von Illmitz aus querten wir erneut den Neusiedler See mit der Radfähre nach Mörbisch, um dann südlich Richtung Sopron aufzubrechen. Nach einer sehr kurzen Stadtrunde nahmen wir dann den Regionalzug Richtung Bad Sauerbrunn. Dass der Bahnhof Sopron nicht barrierefrei ist, war spürbar – den Anhänger und die Räder mehrfach über Stiegen zu schleppen, war so nicht eingeplant.

Das letzte Highlight war, dass der Regionalzug – in dem Fall ein Diesel-Ein-Wagon-Zug – im Radabteil eine kaputte Türe hatte – wir konnten also in Sopron am Bahnsteig einsteigen, waren uns jedoch nicht sicher, ob der Zug in Bad Sauerbrunn auf das richtige Gleis einfahren würde, um auch aussteigen zu können. Mit dem Zugführer konnten wir das zwar besprechen, aber er erklärte auch, dass er keinen Einfluss auf die Wahl des Einfahrtgleises hätte. Und tatsächlich: der Bahnsteig war der falsche, so fuhren wir notgedrungen mit dem Zug weiter bis nach Neudörfl, und radelten dann zurück nach Hause.

Mehr Planung und Organisation – aber auch mehr Freude und frische Luft

Unser Fazit: ja, es war definitiv mehr Aufwand in der Planung und Organisation, aber ganz ehrlich: Vorfreude ist die schönste Freude, gerade das Planen hat uns gut gefallen. Und ja, wir waren auch sportlich gefordert, der Anhänger ist ganz schön schwer, und wir hatten kein e-Bike zur Verfügung. Aber wir hatten Spaß am Schwitzen und an der frischen Luft.

Den Kindern gefiel es gut, nur ab und zu war aus den hinteren Reihen ein „Nein!! Meine Hand ist jetzt oben!!“ zu hören, sonst haben wir die Etappen so gestaltet, dass wir während des Mittagsschlafs fuhren oder nur kurze Strecken zurücklegten. Ja, auch das war vielleicht mehr Planung als sonst, aber mit zwei Kindern ist man sowieso ständig am Organisieren ;-)

Und: wir waren durchwegs mit freundlichen Gesichtern konfrontiert – es wird nicht nur anerkannt, sondern auch gerne gesehen, dass Familienurlaub nicht nur mit dem Auto und dem Flugzeug, sondern auch mit Fahrrad und Zug gestaltet wird.

Deswegen wird es nächstes Jahr wieder heißen: gestalten wir auch die Anreise- und Abreisetage so, dass sie in das Gesamtkonzepts des Urlaubs passen, und wir sie gleichermaßen als Abenteuer genießen können.

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