Einkaufszentren im Rad-Test: Wechsel an der Spitze!

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Zum achten Mal erhob die Radlobby ARGUS Steiermark mit ihrem Einkaufszentren-Radtest die Radfahrfreundlichkeit der EKZ im Raum Graz. Die Überraschung vorneweg: Der Citypark hat den Seriensieger Murpark überholt! Bei den Mitbewerbern bewegte sich kaum etwas.

Alle zwei Jahre erheben die Tester der Radlobby ARGUS Steiermark, was sich für die radelnde Kundschaft verändert hat, und so wurde der Citypark im Sommer 2016 am falschen Fuß erwischt – mitten im großen Umbau. Einiges war im Ansatz schon zu erkennen und sah vielversprechend aus – trotzdem zu wenig, um es fair bewerten zu können. Nun, nach Fertigstellung, hat man den hohen Standard des Murpark erreicht und in Details übertroffen, nicht zuletzt, weil der jüngst abgeschlossene Ausbau beim Murpark ein paar Schwächen generierte. Im Mittelfeld bewegen sich Center West, K&Ö und Shopping Nord, die allesamt mit einigem Rückstand auf der Stelle treten. Traditionell am Ende der Wertung findet sich die Shopping City Seiersberg, die radelnde KundInnen bis dato noch nicht entdeckt zu haben scheint.

 

Radverkehrsanteil zwischen 0,7 und 30(!) Prozent

Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad als ideales Alltagsfahrzeug für kurze und mittlere Strecken – so auch für den täglichen Einkauf. Volle Radabstellplätze vor den großen Grazer EKZ zeugen davon – Tendenz steigend. So gibt das Center West 5-8, der Murpark 6,5-7 und der Citypark 9 Prozent Rad fahrende KundInnen an. Die optimale Erreichbarkeit per Rad von K&Ö/Gigasport erklärt den hohen Anteil von 30 Prozent, das andere Extrem stellt Seiersberg mit 0,7 Prozent dar.

 

Zentrale Kriterien: Erreichbarkeit und Radverkehrsführung

Für die Anbindung an das Radverkehrsnetz sind die Centerbetreiber natürlich nur bedingt verantwortlich. Wesentlich verbessert wurde die Erreichbarkeit des Center West von Westen kommend durch die Neugestaltung der Weblinger Kreuzung und durch den eben erfolgten Durchstich der Erna-Diez-Straße zum Grillweg. Vom ebenfalls gerade in Bau befindlichen Radweg an der Feldkirchner Straße könnte in Zukunft die Shopping City Seiersberg profitieren.

Für das eigene Areal ist man aber sehr wohl zuständig und hier kann nun besonders der Citypark punkten: Die Durchwegung ist klar, oft rot markiert und für die heikle Querung zur Köstenbaumgasse im Nordosten wurde eine unbürokratische und praktische Lösung gefunden. Außerdem hat man den Übergangsbereich vom Parkhaus zum Center mit einer Fußgängerzone („ausgenommen Radfahrer“, eine Anregung der Radlobby von 2016) beruhigt und aufgewertet.

Auch der Murpark hat mit dieser Maßnahme eine große Freifläche geschaffen, im Gegensatz zum Citypark allerdings ohne Fahrrad-Abstellmöglichkeit in diesem Bereich. Die Einbindung am Sternäckerweg ist nicht gelungen und fast unfahrbar. Beim Center West ist die Routenführung in Richtung Westen unklar, die häufige Fremdnutzung (Ladetätigkeit) problematisch. Zum Fachmarktzentrum beim Shopping Nord gibt es keine Radverkehrsführung, gleiches gilt für das gesamte Gelände der Shopping City Seiersberg.

Bei den EKZ-nahe angesiedelten Fachmarktzentren im Norden (OBI) und in Webling (Betreiber Lieb Bau) ist die Radinfrastruktur schwach. Bei OBI wurde ein am Murradweg installierter (und von RadlerInnen zu Recht kaum frequentierter) Abstellplatz aufgelassen und wird jetzt als Lagerplatz genutzt. Im Eingangsbereich wurden ohnedies unbrauchbare „Felgenknicker“ entfernt, das verbliebene Alibi-Abstellelement ist blockiert – hier sind RadlerInnen offenbar unerwünscht.

Abstellplätze: Quantität und Qualität

Der Murpark hat vor vier Jahren mit seiner Parkgarage einiges vorgelegt (auch wenn mittlerweile Radleichen einige Bügel blockieren), allerdings ist die neue Anlage im südöstlichen Eingangsbereich zu klein und deshalb überfüllt, es gibt zu wenig Platz bei der Zufahrt – erst recht mit Anhängern oder Lastenrädern. Auch in diesem Punkt hat der Citypark zugelegt: Die Abstellplätze sind dezentral und eingangsnah angelegt und fast alle unter Dach. Die nun großteils eingesetzten Bügel sind formschön und effizient nutzbar. Beim Zugang Lazarettgürtel wurde der oftmals durch Ladetätigkeit verstellte Abstellplatz nun mit Pollern abgesichert. Im Center West gibt es eine gute, neu gestaltete Abstellanlage beim SPAR-Eingang, sonst sind Qualität und Standorte der Radparker wenig einladend. Gleiches gilt für Seiersberg, wo radelnde KundInnen demonstrieren, was sie bräuchten: Beim Zugang „G“ werden mangels brauchbaren Abstellangebots die Räder entlang der Zugangsbrücke eingangsnah am Geländer angeschlossen. Im Shopping Nord sind die Bügel beim Fachmarktzentrum nicht zum Ansperren des Rades geeignet und sämtlich nicht überdacht. Bei K&Ö/Gigasport stehen laut aktuellen Angaben nur etwa 200 (öffentliche) Abstellplätze zur Verfügung, plus etwa 10 überdachten im Paradeishof. Das ist bei einem selbst genannten RadlerInnenanteil von 30(!) Prozent oftmals zu wenig, auch was die Qualität betrifft (Überdachung!).

 

Service, Akku & Co.

Wie man mit dem Fahrrad hinkommt, erfährt man mehr oder weniger von allen EKZ im Web und über Flyer, nicht aber vom Center West. Radservice gibt es in den Sportgeschäften aller EKZ mit Ausnahme der Shopping City Seiersberg, wo die Eröffnung eines Sportgeschäftes kurz bevorsteht. SB-Serviceboxen mit Kompressor und Werkzeug werden bei Murpark und Citypark angeboten, Flickzeug und Pumpe an der Info im Shopping Nord. Die Akkus für E-Bikes können überall aufgeladen werden, außer beim Center West und in Seiersberg. Schließfächer finden sich überall und an der Kundeninfo im Citypark hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen:  gratis Regenponchos bei schlechtem Wetter für alle RadfahrerInnen! So geht radfreundlich!

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