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Forum zu Radfahren, Fahrrad und Mobilität in Österreich

Unbeantwortetes Thema

Begegnungen der gleichen Art


Autor Nachricht
Verfasst am: 27. 09. 2010 [15:32]
Puritsche
Dabei seit: 27.09.2010
Beiträge: 1
Hallo, Ihr Leute dieser community!

Darf ich mich vorstellen? Ich bin ein in Wien geborener (1965) und hier lebender Mann, der seit 1992 das Fahrrad als sein primäres Verkehrsmittel verwendet.
Das Fahrrad ist immer noch das selbe wie 1992...die 28.500 Schilling waren damals eine sehr gute Investion, keine Frage.
Dieses (Trekking-)Rad erlaubt mir schnell und zügig zu fahren. Aus meiner Sicht ist die Zeitersparnis am Weg einer der großen Vorteile des Radfahrens.
Risiko nehme ich dabei eher wenig. Eine unübersichtliche Kreuzung bei dunkelgelb mit hoher Geschwindigkeit und Gottvertrauen zu passieren, ist nicht so meins.

Mein täglicher Weg führt vom Gürtelradweg über die Burggasse zum MQ, dann rechts entlang am Getreidemarkt zum Naschmarkt.
Eine abschüssige, mit vielen Grünphasen ausgestattete Strecke, die mich durch den einen oder anderen Trick (Von der Burggasse kommend nicht die Autospur, sondern die Gleisanlagen geradeaus bis zur Ampel nehmen und dann vor den Autos rechts auf den Radweg abbiegen), wenn es gut läuft in weniger als 10 Minuten von der Brunnengasse an die Wienzeile bringt.
Nicht immer läuft es gut. Man trifft vielleicht auf ein Taxi in der Burggasse, das einem mit 60, 70km/h links überholt, um dann vor der nächsten Ampel wieder rechts auf der Busspur als Hindernis stehend aufzutauchen und dich zum abbremsen zwingt (oder zum links überholen).
Oder man fährt im (langsamen) Radkonvoi die 2er Linie entlang.
Über so etwas rege ich mich aber nicht auf. Das sind nur Kleinigkeiten, die man als Verkehrsteilnehmer wegstecken sollte und muss.
Nur manchmal, in Momenten der unmittelbaren Gefährdung, erfolgt auch bei mir, der glücksbringende Endorphine sonst eindeutig bevorzugt, ein Adrenalinstoß welcher mich in Zorn und Rage bringt.

Nach der Mariahilferstraße, den Getreidemarkt runter, kommt der unangenehmste Teil der Strecke. Nur ein schmaler Radstreifen auf der Fahrbahn, vor einem u.U. unsichere Klappradfahrer, unmittelbar neben einem: beschleunigende Autos.
Ich beschleunige dort ebenfalls, gebe unübersehbares Handzeichen nach links, mindestens 5-10 Sekunden lang - umdrehen mag ich mich bei hohem Tempo nicht - und weiche den sich vor dem Kreuzungsbereich auffächernden und schlängelnden Radfahrern auf die mittlere Fahrspur aus.

Als ich nun letzte Woche den Radweg auf der 2er Linie befuhr, ab der Mariahilferstraße ohne Vordermann/frau mit ca 40 km/h zur Wienzeile runter. Links neben mir Autos mit der gleichen Geschwindigkeit, sehe ich doch eine Radfahrerin entgegen der Fahrtrichtung, bergauf, auf mich zukommen - auf dem 50cm breiten Fahrstreifen!
Ich sah sie zuerst, da sie nicht einmal nach vorne blickte.....das Adrenalin verteilte sich, öffnete meinen Mund und ließ mich lauthals schreien: AUFPASSEN!!!
Sie erschrak, hüpfte auf einem Fuß halb zwischen zwei parkende Autos und bedachte mich, als ich an ihr (kopfschüttelnd) vorbei fuhr mit einem bösen Blick und einer vorwurfsvollen Geste, die mir zeigen sollte, dass ich doch auch links auf der Fahrbahn Platz gehabt hätte. Das Auto, neben mir hatte seine Geschwindigkeit mittlerweile verringert.
Mich hätte allerdings ein "sorry" von ihr mehr beeindruckt.

Ich hatte in den letzten Jahren öfters "Begegnungen der gleichen Art" auf schmalen Fahrstreifen, bzw. Radwegen. Einmal auf der Praterstraße im Sommer traf ich einen Vater, der mit seinem Kleinkind im Anhänger seelenruhig entgegen der Fahrtrichtung radelte. Aber bitte, da war keine große Unfallgefahr gegeben, ich musste sogar schmunzeln über die Ignoranz, die er den Entgegenkommenden (die ihn alle stehenbleibend vorbei lassen mussten) gegenüber an den Tag legte. icon_wink.gif

Und warum 9ich euch das erzähle?
Ich suche eine Plattform, wo ich über meine Erlebnisse als Radfahrer in Wien berichten kann ohne auf Vorurteile, Parolen und Gehässigkeiten zu stoßen. Wie es in anderen, größeren, unspezifischen Foren leider an der Tagesordnung ist.
Wenn ihr meinen Beitrag als lesenswert befindet, dann würde mich dieser Umstand freuen.

Ich wünsche euch Allen unbekannter Weise alles Gute und - nota bene -: Hals und Beinbruch!


[Dieser Beitrag wurde 3mal bearbeitet, zuletzt am 27.09.2010 um 15:35.]



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